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Zwiebus´Logbuch / 13.07.2956 - Teil 2 / Himmelfahrtskommando nach Dupree Facility - Hurston

  • Lord_Zwiebus
  • 8. August 2026 um 10:46
  • 21 Mal gelesen
Willkommen in der SC-Kantine, Reisender...
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Zwiebus´Logbuch / 13.07.2956 - Teil 2 / Himmelfahrtskommando nach Dupree Facility - Hurston




Als Zwiebus die Treppe hinabstieg, sah er Pike direkt an der großen Theke des Café Musain stehen.

„Pike! Schön dich zu sehen. Ich habe ewig nichts mehr von dir gehört. Weißt du zufällig wo Zero gerade steckt?“, fragte Zwiebus.

Pike lachte laut auf. „Er ist mal wieder irgendwo da draußen im Weltall unterwegs – in eigener Sache. Der Kerl hat doch immer Gasping Weevils im Raumanzug und ist heute hier und morgen da.“

„Na gut, Pike. Lass uns einen gemütlichen Tisch suchen, an dem wir uns ungestört unterhalten können. Ich werde mir erst einmal ein Bierchen gönnen.“

„Dann komm lieber mit in den Grand Barter! Da gibt’s ordentliches Bier und nicht diese Light-Brühe!“, tönte plötzlich eine Stimme hinter ihm, die Zwiebus erstaunlich vertraut vorkam.

Zwiebus erschrak und drehte sich schwungvoll um. Hinter ihm stand ein Glatzkopf mit einem recht zerzausten Bart.

„Tag, Chef!“, entfuhr es Zwiebus vollkommen überrumpelt, während er überrascht die Augen aufriss. Vor ihm stand Jendrikon – der Chef des Zenith-Servicekontors, beziehungsweise einer der Bosse.

Zwiebus und Jendrikon hatten sich vor einiger Zeit unter recht unglücklichen Umständen kennengelernt. Das Resultat war eine Art Schuldknechtschaft gewesen, die Zwiebus zum Angestellten des Kontors gemacht hatte.

Pike rieb sich ungläubig die Augen. „Zwiebus! Kannst du mich vielleicht mal vorstellen? Wer ist dieser Typ überhaupt?“

„Pike, das ist Jendrikon! Jendrikon, darf ich vorstellen? Das ist Pike, den ich über Alaska Seadeleare kennengelernt habe.“

„Sehr erfreut!“, brummte Jendrikon. Die beiden reichten sich die Hände.

„So, noch einmal ganz auf Anfang“, sagte Zwiebus stirnrunzelnd. „Was führt dich eigentlich nach Levski, Jendrikon? Hast du dich verändert? Du siehst irgendwie… wilder aus!“

„Was glaubst du wohl, was ich hier treibe?“, erwiderte Jendrikon mit einem leicht unheimlichen Unterton. „Ich verbringe mein Tagwerk genau wie du.“

„Chef, und was ist mit der Firma passiert? Ich habe von Zenith ewig nichts mehr gehört. Dein Comm-Anschluss im Zenith-Bero scheint nie besetzt zu sein. Und von Cyrill erfahre ich immer nur, dass er keine Zeit hat, weil er mit der Umorganisation beschäftigt ist.“

„Das hat schon alles seine Richtigkeit! Cyrill Walker muss gerade eine Menge umstrukturieren. Er trägt inzwischen die alleinige Verantwortung für das gesamte Zenith-Servicekontor“, antwortete Jendrikon gelassen.

„Was? Bist du etwa ausgestiegen? Zenith war doch dein persönliches Herzblut!“, rief Zwiebus ungläubig.

„Das stimmt schon, aber selbst persönliche Dinge wachsen einem manchmal über den Kopf. Die Zwänge nahmen einfach überhand, alles versank in Routine. Ich habe mich nach der Freiheit gesehnt, die man als Freelancer genießt. Die Margen sind zwar etwas kleiner geworden, doch ich bin fest davon überzeugt, dass ich auch so gut über die Runden kommen werde.“

Jendrikon machte eine kurze Pause und fuhr fort: „Ich will ja gerne weiterhin für Zenith arbeiten – aber eben als Contractor, als Freelancer! Damit bin ich eher mit mir im Reinen, anstatt mich permanent irgendwelchen Sachzwängen zu unterwerfen.“

„Aha…“, machte Zwiebus, der darauf erst einmal nicht zu antworten wusste.

„Das kann ich verdammt gut verstehen!“, warf Pike ein, griff nach zwei weiteren Bierflaschen und verteilte sie zügig. „Ich habe jahrelang für einen Großkonzern geschuftet und stand ständig unter der Fuchtel irgendeines Vorgesetzten. Damit ist jetzt definitiv Schluss.“

„Naja, Pike“, versuchte Zwiebus einzuwenden, „Jendrikon war hier der Chef!“

„Was soll’s? Die Sachzwänge haben einfach überhandgenommen und die persönliche Freiheit nahm ab. Jetzt bin ich mein eigener Chef und arbeite nur noch für Zenith, wenn es mir gerade in den Kram passt!“, lachte Jendrikon herzlich. „Und keine Sorge: Das mache ich nach wie vor sehr gerne.“

„Na dann: Willkommen in der Freiheit!“, stieß Pike lachend an.

„Sag mal, Jendrikon, du kennst dich doch in Stanton hervorragend aus!“, raunte Zwiebus ihm verschwörerisch zu. „Ich denke, deine lange Zeit bei Zenith wird dir doch eine Menge Fachwissen über die Abläufe in den Logistikzentren auf Hurston eingebracht haben.“

„Mhm, mhm…“, mehr drang nicht aus Jendrikons zerzaustem Bart hervor, da er sich in diesem Moment eine Flasche Schmolz an die Lippen setzte.

„Ich möchte zusammen mit Pike den großen Logistikzentren einen Besuch abstatteten, um dort die eine oder andere wertvolle Raumschiffkomponente… abzuwickeln“, erklärte Zwiebus.

„Aha. Ab-zu-wickeln!“, wiederholte Jendrikon tonlos.

„Neugeräte für eine Carrack sind für Alaska vollkommen unerschwinglich. Mit so riesigen Komponenten kenne ich mich gar nicht aus – und ich vermute mal, du auch nicht wirklich, oder? Deshalb reifte die Idee, uns an den Rückläufern von Testflügen zu bedienen.“

„Das wird allerdings kein Spaziergang“, murmelte Jendrikon nachdenklich. „Diese Logistikzentren sind wahre Festungen.“

Eine alte Wut begann in Zwiebus wieder hochzukochen. Diesen Aasgeiern der Hurston-Familie würde er zu gerne wieder eins auswischen.

„Mit den Sicherheitscodes in den Logistikzentren werde ich mich wohl irgendwie auskennen. Schließlich war ich jahrelang Mitarbeiter der HD-Security“, bemerkte Pike pragmatisch.

Jendrikon sah Zwiebus fragend an: „An welche Logistikzentren hast du dabei genau gedacht? Militärische Komponenten wirst du garantiert nicht bei Sakura Sun finden. Außerdem wundert es mich, dass du bereit bist, für solche profanen Dinge Menschenleben zu riskieren. So habe ich dich gar nicht eingeschätzt!“

„Keine Sorge, ich gehe nicht über Leichen! Das ist absolut nicht mein Ding“, schimpfte Zwiebus wütend zurück. „Doch wenn es ausnahmsweise mal die Richtigen trifft, habe ich damit auch keine Probleme. Es klingt zwar nicht besonders vernünftig, auf diesem Weg an die Komponenten zu kommen, aber – ich weiß auch nicht – ich will doch keinen Menschen umbringen, ich habe aber keinerlei Probleme den Hurstons zu Schaden..“

„Seltsame Motivation“, brummte Jendrikon skeptisch. „Okay, ich stelle euch einfache nicht-letale Waffen zur Verfügung, und dann versuchen wir es. In dem Fall bin ich dabei!“

„Das klingt doch nach einem Plan!“, meinte Pike zustimmend.

Zwiebus gefiel der Gedanke, diesen gewagten Fischzug ohne eine tödliche Waffe anzugehen. „Die Dupree-Facility wäre mein erstes Ziel. Sie gilt als extrem gut bewacht. Und genau deshalb vermute ich, dass dort militärische Komponenten als Rückläufer auf dem Gelände lagern könnten.“

„Dupree? Nie gehört!“, wunderte sich Pike und kratzte sich am Kinn. „Ich habe in erster Linie in den HD-eigenen Logistikzentren Dienst geschoben.“

„Baulich sind die alle gleich!“, warf Jendrikon ein. „Einfach nach UEE-Standard hochgezogen – völlig egal, für welche Firma!“

„Naja“, meinte Pike schmunzelnd, „wir werden uns schon irgendwie in Dupree zurechtfinden.“

Zwiebus wunderte sich im Stillen darüber, dass die kleine Gruppe nun spontan auf drei Personen angewachsen war. Dennoch war es ein gutes Gefühl, dass sie alle im selben Boot saßen. Er vertraute seinem Chef – oder besser gesagt, seinem ehemaligen Chef. Zwiebus war sich absolut sicher, dass Jendrikons umfangreiches Wissen über die Logistikzentren in Stanton die ganze Unternehmung erheblich erleichtern würde.

„Alles klar, Leute! Dann lasst uns los!“, rief er entschlossen.

Pike schnappte sich die von Jendrikon hingehaltene Kurzwaffe, musterte die Pistole von allen Seiten genau und meinte skeptisch: „Meint ihr, das reicht? Mit den kleinen Dingern lässt sich doch kein professioneller Wachdienst erschrecken! Ich nehme noch eine meiner eigenen Waffen mit, ich werde damit maximal nur Sperrfeuer schiessen!“

„Gut, dann lasst uns das hiermit versuchen. Wenn Pulse-Pistolen nicht reichen, brechen wir das Ganze frühzeitig ab. Auch wenn ich mich mit HD überworfen habe: Meine Ex-Kollegen will ich nicht unbedingt mit tödlichen Kalibern beschießen müssen“, brummte Pike.

Die drei Männer trafen sich kurz darauf im Hangar von Zwiebus. Eine wuchtige Asgard stand dort auf den Landekufen – ein Schiff, das Zwiebus nach dem kleinen Jungen Anthony Tanaka benannt hatte. Zwiebus pflegte manchmal einen etwas pathetischen Umgang mit den Symbolen der People's Alliance.

„So richtig bequem ist das hier drin aber nicht“, lästerte Pike schmunzelnd, als er die Sitze unten im Ingenieursbereich der Asgard begutachtete.

„Ich gebe zu“, antwortete Zwiebus selbstkritisch, „dass die Software dieses Schiffes manchmal etwas überfordert ist. Pike, kannst du bitte mal ans Ingenieur-Terminal gehen und die Energieverteilung vornehmen? Das kriege ich von hier vorne wieder nicht hin.“

„Schon erledigt! Ich habe mir schon gedacht, dass da was nicht funktioniert“, rief Jendrikon. Er drückte nur noch die Bestätigungstaste und setzte sich ebenfalls auf einen der Sitze im Ingenieursbereich.

„Dupree?“, fragte Pike nochmal in die Runde.

„Es heißt, dass dort Größe-3-Komponenten zu finden seien. Und dass wir dort mit Gegenwehr zu rechnen haben. Es wird bewacht sein – aber wohl nicht allzu heftig.“

„Dein Wort in Archibalds Ohr!“, murmelte Pike düster, während er an den mächtigen Chef seines ehemaligen Konzerns dachte.

„Ich dachte eigentlich, dass die ganzen Fabriken dort unter der Fuchtel der HD Security stehen – mit denen du dich doch bestens auskennst“, merkte Zwiebus an und kräuselte die Stirn.

Die Systeme des Schiffes fuhren langsam hoch. Mit lautem Donnern und Grollen erwachten die gewaltigen Aggregate der Asgard zum Leben und begannen, ein bläulich-heißes Feuer aus den Düsen zu speien. Die Asgard hob geschmeidig ab. Die mächtigen Tore des Stationshangars öffneten sich träge, und die Reise in Richtung Pyro-Gateway begann. Der anschließende Flug durch den Sprungtunnel nach Pyro verlief vollkommen unspektakulär.


Der anschließende Flug durch Pyro gestaltete sich ebenso unspektakulär, da der Vorrat an Quantumfuel tatsächlich bis zum Stanton Gateway ausreichte. Dort legten sie nur einen kurzen Zwischenstopp ein, ehe sie direkt weiterflogen. Schließlich entließ der Quantumtunnel das Schiff. Ein grauer Schleier lag vor der Anthony Tanaka – der dichte Nebel des Pyro-Gateways in Stanton. Es war diese unsägliche Station, in deren Beobachtungslounge inzwischen eine gewaltige Statue Archibald Hurstons thronte. Sie machte jedem Ankömmling unverhohlen klar, wer im Stanton-System wirklich das Sagen hatte.

„Wir halten uns hier am besten gar nicht lange auf!“, rief Jendrikon. „Die Statue taugt ohnehin nur dazu, dass man ihr ans Bein pinkelt! Gleich weiter nach Everus Harbor.“

„Alles klar, wird gemacht!“, rief Zwiebus zurück und programmierte die Navigationskonsole der Asgard. Das Schiff tauchte erneut in den Quantumtunnel ein, um das Stanton-System wie an einer Perlenschnur gezogen fast vollständig zu durchqueren.

Auf Everus Harbor angekommen, wiederholte sich das gewohnte Prozedere: ein kurzer Tankstopp.

„Geht möglichst nicht selbst auf die Station!“, mahnte Pike, den die Sorge umtrieb, dass die HD-Security doch noch Hinweise auf seine wahre Identität besitzen könnte.

„Wir haben durch die ständige Tankerei ohnehin schon viel zu viel Zeit vertrödelt“, murmelte Jendrikon. „Lasst uns gleich weiter diese ominöse Dupree-Einrichtung anfliegen.“

Die Asgard setzte ihren Kurs fort und ließ die Station Everus Harbor hinter sich. Unter dem Rumpf erstreckte sich die dichte Wolkendecke jenes ehemals wohl recht ansehnlichen Planeten, der, als er noch ansehnlich gewesen war, noch nicht den Namen Hurston getragen hatte. Seit er den Namen dieser entsetzlichen Familie trug, war der Planet verkommen – gewandelt in eine einzige, giftige Kloake. Selbst die dichten Wolkenschichten, durch die sich die Asgard nun hindurchkämpfen musste, waren von einem seltsamen, gelblichen und schwefligen Licht erfüllt.

„Das wirkt alles verdammt giftig“, dachte Zwiebus laut, als er den Anflugsektor der Einrichtung erreichte und den Sinkflug zur Landung einleitete. Ein roter Warnhinweis leuchtete auf seinem Helmdisplay auf. Offenbar waren die Transpondersignale der Asgard und der Einrichtung nicht miteinander kompatibel. Auf dem Schirm prangte schlicht das Wort: STOPP!

„Okay, so richtig willkommen scheint hier niemand zu sein!“, murmelte Zwiebus.

„Dann versuch eben, woanders aufzusetzen!“, rief Jendrikon. „Am besten hinter einem dieser Hügel, die die Station umgeben.“

Nach kurzem Suchen fand Zwiebus einen geeigneten Landeplatz, der zumindest auf den ersten Blick außerhalb der Reichweite der Abwehrgeschütze der Fabrik lag. Dafür musste die Asgard allerdings mehrere Kilometer weit in die Luftraumüberwachung der Fabrik eindringen. Mit anderen Worten: Mitten in der Reichweite einer weitläufigen Flugabwehr setzte die Asgard im schützenden Schatten eines Hügels in der Nähe eine Betonturmes im Ödland auf.

„Landen lassen sie uns scheinbar“, murmelte Zwiebus und nestelte nervös an seinem Bart herum. „Ich ahne aber schon, dass der Start verdammt hektisch werden wird.“

Er sah zu den Konsolen und rief den anderen zu: „Die Haupttriebwerke schalte ich aus, aber die Hilfsaggregate lasse ich laufen!“

Er schaltete die Haupttriebwerke ab, während die restlichen Bordsysteme unter Strom blieben.

„Leite die gesamte restliche Energie in die Schilde!“, sagte Pike, der sich sicher war, dass ihnen noch gewaltiger Ärger bevorstand. Zwiebus tat, wie ihm geheißen, und verließ schließlich als Letzter das Schiff.

Er folgte Pike, der in einen leichten Trab verfiel, um die knapp drei Kilometer lange Strecke bis zur Fabrik zu überwinden. Mit dem düsteren Schemen der Fabrik am Horizont arbeiteten sie sich Schritt für Schritt durch eine von Umweltgiften zerfressene Einöde.
„Ich hätte gerne mal eine Bestätigung dafür, dass die Familie Hurston sich keinen verdammten Dreck um die Welt schert, auf der sie selbst lebt!“, rief Zwiebus aus. Es war eine rhetorische Bemerkung, auf die er von den anderen beiden keine Antwort erwartete.

Einige der schaurigen Industriekomplexe spien pechschwarze Qualmwolken aus, deren übelriechende Schwaden immer wieder zu den drei Männern hinüberwehten.

„Und ich hatte tatsächlich gehofft, dass ich meinen Helm hier draußen nicht komplett verriegeln muss!“, ächzte Zwiebus, dem das stramme Tempo bereits die Luft raubte. „Ein Planet mit theoretisch atembarer Atmosphäre, auf dem man trotzdem im voll abgedichteten Raumanzug herumlaufen muss! Es ist wirklich nicht zu fassen!“, wetterte Zwiebus wütend gegen den imaginären Geist von Archibald Hurston.

Die anderen schwiegen. Zwiebus beobachtete nur, wie Pike nervös am Helmkranz seines Raumanzugs hantierte. Kurz vor dem Aufbruch hatte Pike noch die Befürchtung geäußert, sein Standardanzug sei nicht vollständig dicht. Daher hatte er eine schwerere Rüstung angelegt als gewöhnlich – doch offensichtlich vertraute er auch dieser nicht.

Schließlich erreichten sie einen langgezogenen Betonausleger. Darauf verliefen mächtige Rohrleitungen, die toxische Industriechemikalien aus weit entfernten Depots direkt in den Komplex pumpten.


Alle drei versteckten sich am Ende einer langen Pipeline gegenüber einer von einigen großen Scheinwerfern erleuchteten Auffahrrampe. Zwiebus wurde augenblicklich klar, dass die Idee, hier mal eben reinzugehen und ein paar Komponenten rauszuholen, eine ziemliche Schnapsidee gewesen war. Die Dupree-Facility war mindestens genauso gut gesichert wie eine Industrieanlage in Lorville selbst. Doch nun waren sie schon einmal hier, und Zwiebus beharrte darauf, es zumindest zu versuchen.

„Direkt über die Rampe zu gehen, ist komplett sinnlos. Da werden wir sofort gesehen“, sagte Pike. „Ich schlage vor, dass wir links an der Rampe vorbei schleichen und versuchen, über eine der Notfallleitern auf das Gelände zu kommen.“

Jendrikon und Zwiebus nickten. Pike übernahm für dieses Teilstück die Führung, da er sich am besten mit den Sicherheitsvorkehrungen auskannte, die die HD-Security im Regelfall vornahm. Geduckt und mit gezogener Kurzwaffe versuchten die drei, möglichst nicht in einen der Lichtkegel der Suchscheinwerfer zu geraten. Schließlich fanden sie nach einigen hundert Metern in der Nähe eines der Landepads eine metallene Leiter, die geradewegs auf das Gelände führte.

„Okay, Zwiebus! Du bist der Auftraggeber, also gehst du auch vor!“, raunte Jendrikon aus dem Hintergrund.

Zwiebus packte seine Pistole fest und kletterte die Sprossen hinauf. „Bleibt erst noch mal unten, bitte“, flüsterte er zurück. „Ich checke erst mal die Lage.“

Das Gelände war vollgestellt mit geordneten Containern in Lagerstätten, aber auch lose Kisten standen planlos auf der riesigen Betonfläche. Um die Landepads herum lagen jeweils kleinere, abgezäunte Lagerflächen, die sich mit größeren Arealen voller Aggregate abwechselten. Alles in allem war es eine sehr unübersichtliche Angelegenheit.

Hier in ein Feuergefecht zu geraten, ist wirklich das Letzte, was ich mir wünsche!, dachte Zwiebus.

„Okay, ihr könnt jetzt hochkommen!“, funkte er leise nach unten. „Hier scheint im Moment alles klar zu sein.“

Flugs kamen die beiden herauf, und geübt setzten sie sich unter Ausnutzung diverser Deckungen in Richtung Hauptgebäude ab. Es dauerte nicht lange, bis sie die erste Wache entdeckten. Ein einzelner, in eine unbekannte Rüstung gekleideter Mann mit einer langen Waffe stand alleine und verlassen zwischen einigen Containern herum.

„Es wäre zwar ein Leichtes, den Typen auszuschalten, doch machen wir jetzt am besten piano und versuchen, diesen Typen möglichst zu umgehen“, funkte Zwiebus den anderen beiden zu.

Die beiden hatten vermutlich ähnliche Gedanken, denn keiner der drei suchte die Konfrontation mit der Wache.

„In diesem abgezäunten Teil findet man nichts außer einigen kleinen Kisten, in denen erstaunlicherweise Munition liegt“, sagte Jendrikon und steckte sich ein Magazin in die Tasche.

„Nein, ich suche ja nach Size-3-Schutzschildgeneratoren“, antwortete Zwiebus.

„Wie willst du die eigentlich vom Gelände kriegen? Sag mal!“, fragte Pike verwundert. „Die Traktorstrahlen der Multi-Tools gleißen so hell, damit ist man doch meilenweit zu sehen!“

Zwiebus hatte darüber noch gar nicht nachgedacht. „Werfen wir die Aggregate einfach über die Brüstung hinunter auf die Freifläche“, antwortete er schnell. „Wir können dann nachher die Fabrik ablaufen und die Sachen einzeln mitnehmen.“

„Für drei Kilometer durch die freie Fläche? Jeder mit einem Traktorstrahl und einem großen Aggregat?“, lachte Jendrikon leise. „Wenn wir erzählen, dass wir so vorgehen, werden wir nie wieder irgendwo einen Job kriegen!“

„Vorsicht!“, rief Pike plötzlich leise. „Auf elf Uhr eine Patrouille, die uns entgegenkommt!“

Alle suchten hektisch Deckung hinter Kisten und Containern. Nur das leise Heulen des Windes war noch zu hören. Die drei hatten selbst das Atmen eingestellt.

„Verdammt, wie lange brauchen die denn?“, knurrte Zwiebus, während er die Wachen beobachtete.

Dass die beiden Wachen so lange untätig zwischen den Containern verweilten, ließ zumindest hoffen, dass sie die Gruppe noch nicht entdeckt hatten. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die zwei Wachen irgendwann wieder auf den Weg machten und hinter einem der Zäune verschwanden.

„Oh man! Das schon am Anfang! Wie soll das werden, wenn wir tiefer in diesem Gelände stecken?“, fluchte Zwiebus und spuckte wütend in seinen Raumhelm.

Es knackte leise im Funk. Pike meldete sich: „Ich habe was gefunden! In einem Durchgang zwischen den Containern! Ihr müsst nur einen dieser Container hochklettern, dann findet ihr einen Durchgang, in dem mehrere Kisten stehen – und so ein seltsames Aggregat!“

Vorsichtig erklommen Jendrikon und Zwiebus den Containerstapel. Jendrikon konnte sogar schon aus der Entfernung erkennen, um was es sich genau handelte.

„Das ist ein Size-1-Schildgenerator in militärischer Qualität“, meinte Jendrikon. „Ist nett, wenn man sowas findet, aber es lohnt sich nicht, sein Leben dafür aufs Spiel zu setzen! Sowas lässt sich im Stanton-System garantiert auch käuflich erwerben. Oder noch besser: Man craftet es einfach!“

„Egal! Jetzt, wo wir was gefunden haben, will ich es auch mitnehmen!“, antwortete Zwiebus stur.

Er nahm seinen Traktorstrahler vom Tornister und bugsierte das Aggregat vorsichtig aus dem Containerstapel heraus.

„Ich werfe das Ding jetzt einfach über die Brüstung und wir sammeln es hinterher ein!“, kündigte Zwiebus an. Er wartete gar keine Antwort ab, sondern machte einfach weiter. Der kleine Schildgenerator schwebte in der Luft, bis Zwiebus die Energiezufuhr abstellte. Sie hörten ein leichtes Platschen, als das Aggregat in den Matsch vor der Betonbrüstung fiel.

Die anderen beiden waren derweil schon weitergegangen und beim zweiten Landepad angekommen. Pike sprach mit unterdrückter Stimme: „Wenn wir was Wertvolleres wollen, müssen wir wohl in das Gebäude hinein! Leider steht eine Wache genau vor dem Eingang.“

Er deutete mit seiner Pistole quer über das Landepad auf das Rolltor, vor dem eine einzelne Wache stand. Mit ihren Kurzwaffen war der Wache beim besten Willen nicht beizukommen – zumindest nicht auf diese Entfernung. Das Risiko, einen Schusswechsel zu riskieren, war zu hoch. Deshalb machten alle drei einen Umweg und umrundeten das Landepad am äußersten Rand. Sie hofften, dass die Wache ihre Aufmerksamkeit eher auf die gestapelten Container richtete und das Landepad übersah.

Geduckt schlichen Zwiebus, Jendrikon und Pike um das Landepad herum, als die Wache plötzlich ihre Position änderte und direkt auf das Pad zuging.

„Verdammte Tat! Hat er uns etwa entdeckt?“, fluchte Zwiebus leise, als er genervt seinen Fuß aus dem Lichtkegel eines Suchscheinwerfers zog.

Die Wache hatte scheinbar wirklich nichts gesehen. Der Mann hielt nach ein paar Metern an, drehte sich um und bezog wieder seine alte Position.

Schwein gehabt!, dachte Zwiebus. Schwein gehabt, aber wir sind keinen Meter näher herangekommen…

Pike tippte Zwiebus auf die Schulter. „Komm mit mir! Immer hinter mir her! Ich weiß, wie wir das hinbekommen!“

Zwiebus folgte Pike; Jendrikon wusste scheinbar schon von Pikes Plan. Nach einigen Metern geduckten Laufens erreichten sie eine ohne Brüstung gebaute Betonkante, die direkt in das freie Feld führte.

Sechs bis acht Meter, dachte sich Zwiebus. Da jetzt einfach runterspringen?

Als könnte Pike Gedanken lesen, sprang er ohne ein Wort direkt in die Tiefe. Zwiebus tat es ihm gleich, in der Hoffnung, dass der Boden hier genauso weich war wie an der Stelle, wo er den Schildgenerator hatte fallen lassen. Tatsächlich war das einzige Problem nach der Landung, dass sein Helm mit Schlamm verschmiert war. Er hatte sich nicht verletzt.

Das gleiche Spiel von vorn: Auf zur nächsten Leiter! Inzwischen war Stanton vollständig hinter dem Horizont verschwunden. Der Himmel über der Fabrikanlage wurde ausschließlich von den Scheinwerfern erhellt, die das Gebäude und das Gelände ausleuchteten. Der hohe Grad an Luftverschmutzung und Staub, der in der Atmosphäre von Hurston herumwaberte, sorgte für ein dunstiges, gelbliches Licht, das die drei unheilvoll einhüllte.

Sie fanden eine zweite Leiter und kletterten nach oben. Im Prinzip bot sich ihnen genau das gleiche Bild wie zuvor, nur an einem anderen Landepad – der Grundriss des Geländes war identisch.

„Gut, da hinten auf zehn Uhr! Dort ist wieder so ein abgezäuntes Gelände mit Containern!“, sagte Zwiebus. „Ich kann mir vorstellen, dass wir dort noch mal fündig werden. Ich mache die Vorhut. Schließlich habe ich uns diesen Kram hier auch eingebrockt!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, schlich Zwiebus zwischen den einzelnen Aggregatekisten und Kleincontainern umher und arbeitete sich an eine kleine Betonmauer heran, die von einem Maschendrahtzaun gekrönt wurde. Volltreffer! Zwiebus konnte durch den Zaun den bläulichen Schimmer eines Schiffsaggregats erkennen. Vermutlich war es ein Kühler – und zwar einer der größten Klasse, Size 3. Etwas, das man tatsächlich nur für sehr viel Geld im Stanton-System legal kaufen konnte.

Er steckte seine Kurzwaffe weg, schnappte sich seinen Traktorstrahler und versuchte, die anderen beiden zu entdecken. „Ich habe hier eine Art Kühler gefunden! Ich denke, das ist ein guter Fang! Ich versuche, das Teil jetzt an den Rand der Plattform zu bugsieren!“, funkte er den beiden zu.

Zwiebus positionierte sich in einem schmalen Spalt zwischen zwei Containern, setzte seinen Traktor-Emitter unter Energie und dachte panisch: Verfluchte Tat! Der Traktorstrahl ist wirklich unfassbar hell. Das muss jetzt schnell gehen!

Es war ein Size-3-Stealth-Kühler für große Schiffe. Sowas findet man wirklich nicht alle Tage, dachte sich Zwiebus und bugsierte das schwere Aggregat an den Rand der Betonplattform, um es genau wie den kleinen Schildgenerator im weichen Matsch abzuwerfen.

„Achtung, wir kriegen Besuch! Direkt voraus!“, funkte Pike aufgeregt. „In der Nähe der Plattform, wo wir aufs Gelände gelangt sind, scheint ein fremdes Schiff zu landen!“

Die Luft war dunstig und durchzogen von den Schwaden der Industrieanlagen. Man konnte streckenweise die Hand vor Augen nicht sehen, geschweige denn kilometerweit klar in die Ferne blicken. Zwiebus konnte zwischen den Containern in der von Pike genannten Sichtrichtung Lichtblitze erkennen, die im Dunst wie kleine Explosionen aussahen.

„Offensichtlich ist es dort gerade zu einem Feuergefecht gekommen! Mich verlässt gerade mein Mütchen!“, machte Zwiebus sich selbst lustig.

Die Schießerei intensivierte sich weiter und machte den Anschein, ein regelrechtes Gemetzel zu werden. Irgendwann fielen auch Kaliber in das Stakkato der Schüsse ein, die größer waren als Handfeuerwaffen. Jetzt war offensichtlich eine der Flugabwehranlagen involviert und hatte wohl oder übel das fremde Schiff unter Feuer genommen.

Nein! Nein! Nein! So habe ich mir das nicht vorgestellt!, dachte Zwiebus panisch und fragte die anderen: „Was haltet ihr davon, wenn wir uns langsam zurückziehen? Ich denke, das wird jetzt hier ein bisschen heiß!“

Es knackte leise in seinen Funkkopfhörern, ehe Pike antwortete: „Wenn du meinst... Ziehen wir uns zurück. Ich habe in der Tat keine Lust, meinen Ex-Kollegen in die Arme zu laufen!“ Zu diesem Zeitpunkt waren die Wachen alamiert und Pike und Jendrikon mussten die ein oder andere Wache Niederschlagen. Jendrikon hatte sogar eine abgefangen, die die Leiter eines Wachturms runter kam.

Einen Hilferuf zur Abholung abzusetzten. stellte sich als unmöglich heraus. Pike hantierte an seinem Funkgerät herum. „Störsender!“, fluchte er: „Alle gängigen Frequnzen sind belegt von Störgeräuschen!“

„Okay, dann die letzte Leiter runter, die wir gesehen haben! Hoffen wir, dass wir denselben Weg zurückgehen können, den wir hergekommen sind. Wir müssen nur um die Station herum und die Sachen einsammeln, die wir runtergeworfen haben!“, rief Zwiebus. Er schulterte seinen Traktorstrahler und schwang sich auf die Leiter.

Die anderen beiden folgten ihm auf der Stelle. Sie bewegten sich in umgekehrter Richtung zurück zur hell erleuchteten Auffahrtsrampe. Der Kühler war schnell gefunden – das große Size-3-Aggregat hob sich deutlich vom Boden ab. Zwiebus’ Traktorstrahl flammte auf und hob das teure Stück an.

„Okay, dann jetzt dreieinhalb Kilometer auf diese Weise zurücklaufen! Na klasse!“, stöhnte Zwiebus.

„Du hast es so gewollt, alter Mann!“, lästerte Jendrikon. „Ich hätte dir das Zeug auch herstellen können, wenn du ein bisschen mehr Geduld gehabt hättest.“

Zwiebus hatte keine Lust, diese Diskussion jetzt zu führen. „Los, weiter!“, rief er. „Hat jemand den kleinen Schildgenerator schon gefunden?“

„Kein Ding! Ich habe ihn!“, hörte Zwiebus Pike im Funk rufen. Im selben Moment flammte Pikes Traktorstrahl auf, und ein grünes Etwas hob sich aus dem Schlamm.

Der Marsch über das freie Gelände klappte erstaunlich gut – vor allen Dingen deshalb, weil Jendrikon ein echtes Händchen für die Orientierung im Terrain hatte, ganz ohne irgendwelche Marker im Helm-HUD nutzen zu müssen.

Nach ca. zweieinhalb Kilometern knackte es erneut im Funk, und Pike fluchte: „Verflixt und zugenäht! Ich habe die Peilung unseres Schiffes verloren!“

„Mist, ich sehe den Marker des Schiffes auch nicht mehr!“, stellte Zwiebus erschrocken fest.

Er hatte die Funkpeilung zu seiner Asgard schon vor einiger Zeit verloren, den anderen jedoch nichts davon erzählt, weil er glaubte, es handle sich nur um einen technischen Defekt im Helm-HUD.

„Ich habe doch keine großen Laserkanonen in Aktion gesehen! Das Schiff kann doch unmöglich am Boden durch diese Geschütze zerstört worden sein!“, funkte Zwiebus den anderen beiden zu.

Auf dieser blöden Welt festzusitzen – mit einem zerstörten Schiff und einer feindlich gesinnten Fabrikbesatzung – war wahrlich wenig erheiternd.

Jendrikon meinte nur trocken: „Egal, was uns die Anzeigen anzeigen oder nicht anzeigen! Wir müssen jetzt einfach dahin und mit eigenen Augen sehen, ob das Schiff noch da ist.“

Panik machte sich breit – eine Panik, die ihre Schritte merklich beschleunigte.

„Da hinten ist der Hügel! Dahinter muss die Asgard stehen!“, rief Jendrikon durch den Funk.

Zwiebus’ Schritte wurden noch schneller. Beinahe wäre er mit dem schweren Kühleraggregat im Traktorstrahl hingefallen, weil er sich vollkommen übernommen hatte.

„Verdammt, da ist nichts!“, rief Pike, als sie den Hügel umrundeten und auf eine leere Sandfläche blickten.

„Dann war es der andere Hügel ein paar hundert Meter weiter!“, rief Zwiebus in den Funk. Er aktivierte wortlos erneut seinen Traktorstrahl, um den Kühler zu greifen und noch die nächsten hundert Meter weiterzustolpern.

Jendrikon war der Schnellste von allen dreien. Zwiebus konnte an seiner Körperhaltung schon aus der Entfernung erkennen, dass auch hinter dem zweiten Hügel keine Asgard stand. Er schaltete den Traktorstrahl ab, ließ den Kühler nahezu achtlos in den Staub fallen und schloss zu Jendrikon auf.

„Bist du sicher, dass es hier war, wo wir gelandet sind? Das sieht alles vollkommen gleich aus!“, keuchte Zwiebus.

„Ich bin mir sehr sicher!“, antwortete Jendrikon und zeigte auf einen Betonturm, auf dem Flugabwehrgeschütze montiert waren. „Das ist genau der Turm! Der Turm neben unserem Landeplatz! Dieser Hügel ist eindeutig der Hügel, hinter dem wir die Asgard gelandet haben!“ Jendrikon fiel entkräftet auf die Knie.

Doch von der Asgard war weit und breit nichts zu sehen. Nicht einmal ein Wrack!

Pike und Jendrikon hechteten den Hügel hinauf, um von dort aus eine Neuorientierung vorzunehmen – vielleicht waren sie ja doch am falschen Hügel herausgekommen. Zwiebus, der inzwischen überhaupt nicht mehr an seine Beute dachte, schritt ziellos über die Sandfläche. Plötzlich musste er innehalten. Nicht zu fassen: Da war eindeutig der Abdruck eines Landefußes! Eines Landefußes einer Asgard! Zwiebus suchte die Sandfläche nach weiteren Abdrücken ab, und seine Befürchtung bewahrheitete sich.

Er fing an zu fluchen: „Es ist zum Heulen! Die haben die Asgard geklaut! Entführt!“

Jendrikon und Pike kamen langsam den Hügel herunter und warfen ebenfalls einen kurzen Blick auf die Abdrücke.

„Fantastisch! Überragend!“, Jendrikons Sarkasmus brach sich wieder Bahn. „Vorher mal abgecheckt, wie weit es bis zur nächsten Station ist? Wie immer gut vorbereitet, was?“

„Dummerweise nicht... Also das mit der Vorbereitung!“, knurrte Zwiebus leise. „Wir sitzen in der sprichwörtlichen Patsche!“

Pike sagte: „Ich habe von dieser Dupree-Facility ehrlich gesagt noch nie gehört. Gäbe es irgendwelche Fabrikanlagen von Hurston Dynamics hier in der Nähe, hätte ich sicherlich davon gewusst. Daher befürchte ich, dass wir einen sehr weiten Weg haben werden, wenn wir zu Fuß die nächste bewohnte Anlage erreichen wollen.“

„Du meinst also eine Anlage, die uns nicht feindlich gesinnt ist? Richtig, Pike?“, zischte Jendrikon durch zusammengebissene Zähne.

Zwiebus schaute seine beiden Freunde betreten an. Er äußerte die Befürchtung, dass sie hier nur auf feindselig besetzte Anlagen treffen würden.

Das ist ja mal wieder eine super Pannenaktion geworden!, durchfuhr es Zwiebus selbstkritisch.

Jendrikon schaute in die Runde und sagte ganz bestimmt: „Wir haben keine Wahl. Wir müssen uns jetzt zu Fuß durchschlagen!“

Der Tag war inzwischen angebrochen, und die helle Sonne Stanton brannte unbarmherzig auf die vergiftete Welt hinab. Zwiebus kletterte auf den Hügel, um noch einmal den Blick schweifen zu lassen. Nichts, aber auch gar nichts hob sich vom Horizont ab – bis auf die stinkende, qualmende Industrieanlage, von der sie gerade geflüchtet waren. Dahin zurückzugehen war auf gar keinen Fall eine Option. Doch welche Richtung Pike, Jendrikon und Zwiebus jetzt einschlagen sollten, war vollkommen unklar.

Ein beruhigender Gedanke kam Zwiebus dann doch in seiner Verzweiflung. Der Planet Hurston besaß zumindest eine Atmosphäre – wenn auch eine recht giftige. Der Sauerstoff würde den dreien so schnell nicht ausgehen, solange ihre Helmfilter intakt blieben.


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