Zwiebus´Logbuch / 18.10. 2956 SEY / Die Stecknadel im Heuhaufen
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Lord_Zwiebus -
25. Oktober 2026 um 14:35 -
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Zwiebus´Logbuch / 18.10. 2956 SEY / Die Stecknadel im Heuhaufen
Zwiebus wischte gerade durch die Angebotsseiten des Lädchens im Grand Aspire Hotel von MicroTech, als sein MobiGlas vibrierte. Eine Nachricht von Zero: Dieser sei zurzeit ein paar Tage im Urlaub in Orison und hätte mit einigen Leuten gesprochen.
Auf Orison?, dachte sich Zwiebus erstaunt. Wie kommt er denn auf die Idee? Na ja, so wahnsinnig weit bis dahin ist es ja nicht.
Zwiebus, der normalerweise das Stanton-System nur im Rahmen irgendwelcher Aufträge aufsuchte – er hegte eine ganz besondere Abneigung gegen die Großkonzerne, die dieses Sternensystem unter sich aufgeteilt hatten –, hatte Glück, dass er diesmal zufällig in Stanton war.
Erst wenige Standardtage war es her, dass Zwiebus in Levski bei „Teach´s Schiffshandel“ gestanden hatte. Mundpropaganda hatte die Kunde bis zur Servicestation Alpha getragen: Wegen der ständigen Angriffe der Moraines auf die Caterpillar-Frachter der Peoples Alliance, verlangte die Station händeringend nach gebrauchtem Tonnage-Ersatz.
Zwiebus’ Anthony Tanaka – eine treue Asgard-Klasse – war trotz unzähliger Aufrüstungen an einem Punkt angekommen, an dem ein Verkauf Sinn ergab. Erst recht, da RSI aggressiv ein neues Modell in den Markt drückte: die Constellation-MK5-Centaurus. Ein Riesenklotz mit doppeltem Laderaum, stärkeren Schildern und bewährter Bewaffnung. Das Angebot grenzte an Absurdität: Der Verkaufserlös seiner alten Asgard deckte den Kaufpreis der neuen Centaurus auf MicroTech nicht nur ab, sondern ließ Zwiebus noch mit einem satten Plus auf dem Konto zurück.
Am Ende muss sich eben doch alles rechnen, dachte er bei der Unterschrift, auch wenn ihm das Herz schwer geworden war, seine treue Gefährtin zu überschreiben.
Nun stand die Centaurus im Hangar auf MicroTech. Zwiebus hatte dem Laden Center Mass bereits einen Besuch abgestattet, um die Bewaffnung komplett auf Ballistik umzurüsten – ganz wie bei der Anthony Tanaka. Eine echte Bindung zu dem neuen Kahn fehlte ihm noch, dennoch entkam ihm ein Staunen, als er den Frachter betrat. Das Platzangebot und das neue Interieur waren in diesem Segment schlicht eine Klasse für sich.
„Soll ich also noch nach Orison fliegen?“, murmelte er vor sich hin. „Na gut, packen wir dem Luxus noch einen drauf.“
Er schloss das Fenster des Verkaufsterminals und machte sich auf den Weg zum Raumhafen. Zwiebus hatte aus seinen Bergungsaufträgen noch einiges an Komponenten übrig, die er mitgebracht hatte und die dort im Auftrag von den Center-Mass-Technikern eingebaut wurden.
„Mit den ganzen Umbauten fühlt es sich schon eher wie mein Schiff an“, dachte er, als er sich in den Pilotensitz setzte.
Er warf die Aggregate an, die mit einem ungewohnt sanften Ton hochfuhren, verließ den Hangar und setzte Kurs auf Crusader. Die Ausmaße des neuen Schiffes machten Zwiebus tatsächlich noch etwas zu schaffen, doch im Großen und Ganzen fühlte es sich sehr schnell vertraut an. Er musterte die Kontrollen und die Avionik. Alles reagierte ein bisschen schneller und einfacher als in der Asgard. Es musste wohl daran liegen, dass die Asgard militärische Wurzeln besaß, während die Constellations seit jeher zivile Schiffe waren. Irgendwie war die ganze Technik hier etwas zugänglicher.
Einige Stunden später setzte Zwiebus die Centaurus in einem Hangar des Raumhafens von Orison auf. Zero wollte sich in der Voyager-Bar mit ihm und Pike treffen. Auf dem letzten Bild, das Zero mit seiner Nachricht mitschickte, hatte er tatsächlich ausgesehen wie ein Urlauber, der in Bars herumhing. Das Foto mit Sonnenbrille, Hawaiihemd und Hut passte so gar nicht zu der sonst eher geheimnisvollen Erscheinung dieses Freelancers und Hackers.
Zurückhaltender Jazz empfing Zwiebus, als er den Außenbereich der Voyager-Bar betrat.
„Ganz nach meinem Geschmack!“, grunzte Zwiebus und ließ seinen Blick über die Tische der Reichen und Schönen Orisons schweifen. Nach einigem Suchen entdeckte er Zero und Pike. Sie saßen am hintersten Ende der imposanten Terrasse in einer ziemlich noblen Sitzecke. Er steuerte geradewegs auf sie zu, musterte das simulierte Lagerfeuer, das zwischen den Tischen brannte, und blieb schließlich mit dem Blick an Pike hängen.
Zwiebus blickte an Pikes Outfit herunter und grinste breit. „Da hat sich aber jemand fein gemacht für die Crusader-Schickeria.“
„Ich passe mich nur der Umgebung an!“, brüstete sich Pike und zog das faltenfreie Shirt mit dem Made in Orison-Label zurecht.
Zero hob sein Glas. „Mir gefällt’s. Hat Stil.“
Zwiebus, der in seinem Arbeitsoverall der Peoples Alliance hier vollkommen deplatziert wirkte, setzte sich zu den beiden. Zero, der im Urlaubsdress dasaß, musste kurz grinsen.
„Das Schlimmste ist, dass der Whirlpool hier nicht voll war, als ich ihn aufsuchen wollte. Eine Frechheit!“, beschwerte er sich amüsiert.
„Okay, Zero“, kam Zwiebus sofort zur Sache. „Du hast geschrieben, du hättest mit Leuten gesprochen. Gibt’s was zu berichten?“
Zero lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Ich habe mich mit Recco getroffen. Mein Gefühl sagt mir, sie ist sauber. Das Einzige, was sie umtreibt, ist der Schutz ihrer Familie – der Peoples Alliance. Die Lieferungen damals waren keine Drogen, sondern Aufputschmittel. Klar, auch umstritten, aber kriminell im eigentlichen Sinne? Wegen Recco sind wir auf dem Holzweg.“
Zwiebus winkte ab und nahm einen Schluck. „Gut, streichen wir das. Keine brauchbare Fährte.“
„Dafür gibt es Neuigkeiten von Wallace.“ Zero beugte sich vor. „Dem wurde die Luft auf Levski irgendwann zu dünn. Deshalb hat er sich nach GrimHex abgesetzt.“
„Zu dünne Luft... Das war einfach ganz klar Cabassa!“, Zwiebus rollte mit den Augen. „Ich habe es mir gedacht, dass Cabassa für das eine oder andere Übel verantwortlich ist.“
„Oder Wallace hatte einfach Schiss, dass Cabassa ihn wirklich umlegt“, fügte Zero hinzu.
„Was soll ich sagen?“, rief Zwiebus dazwischen. „Ich hatte damals tatsächlich den Eindruck, der Fettsack wolle Richter und Henker zugleich sein!“
Zero erzählte noch etwas von einer Corsair, die er auf dem Flug von Nyx nach Stanton gesehen hatte – dass er das Gefühl hatte, das Schiff hätte ihm am Sprungpunkt aufgelauert. Er erwähnte noch etwas von Monox, aber Zwiebus hörte schon gar nicht mehr hin. Seine Gedanken kreisten unaufhörlich um die Geschehnisse mit Oron Cabassa. Der Gedanke, dass Cabassa etwas zu verbergen hatte, war ihm ohnehin klar. Und dass Cabassa notfalls über Leichen ging, konnte Zwiebus sich inzwischen nur zu gut vorstellen.
„Lass gut sein, Zwiebus“, meinte Zero schließlich. „Ich glaube nicht, dass Cabassa unsere Spur ist. Ich bin mir immer noch sicher, dass es sich dabei um eine Fehde unter Drogendealern handelte, die zu dem Mord an Kylo führte.“
Und dieses seltsame Mal auf der Stirn von Kylo?, dachte Zwiebus. Das passt weder zu einem Streit unter rivalisierenden Drogengangs noch zu einem durchgedrehten Polizeichef. Aber diesen Gedanken behielt er für sich.
„Kylo hatte damals die Pakete, die ich weiter transportieren sollte, in Jumptown abgeholt“, erklärte Zero weiter. „Ich denke, da müssen wir ansetzen. Da das Labor Jumptown auf Yela nicht mehr existiert, werden wir das Jumptown auf Delamar untersuchen.“
„Von mir aus!“, murmelte Zwiebus. „Alles ganz schön schwammig, aber irgendwo müssen wir anfangen.“
„Unser Flug könnte tatsächlich gefährlich werden“, raunte Zero. „Lass uns am besten mit deiner Asgard fliegen. Die ist wenigstens ordentlich gepanzert.“
Zwiebus druckste ein wenig herum: „Ja, Leute... Die Asgard ist nicht mehr! Die hat jetzt der Händler auf Levski. Ich habe einen ultraguten Kurs dafür bekommen. Das neue Schiff war sogar billiger als das, was ich für die alte Asgard bekommen habe. Tut mir leid, auch wenn ihr mir vor kurzer Zeit noch geholfen habt, sie wiederzufinden. Aber wie soll ich sagen? Das Bessere ist der Feind des Guten.“
Pike und Zero schauten Zwiebus etwas verdutzt an und folgten ihm schließlich stumm in den Hangar.
„Dachte ich es mir doch!“, rief Pike aus, als er den Frachter erblickte. „Eine MK5! Das Ding ist der Renner und verkauft sich wie geschnitten Brot!“
„Ja, so bin auch ich auf das Marketing von RSI reingefallen“, lachte Zwiebus.
Die drei gingen an Bord und bestaunten das üppige Interieur.
„Alles, was die Asgard hatte – nur mehr davon und noch ein Extra!“, sagte Pike grinsend.
„Ja, Leute“, meinte Zwiebus. „Die Asgard hatte einen richtig beutsamen Namen: Anthony Tanaka. Für das neue Schiff hätte ich auch gerne einen bedeutsamen Namen. Fällt euch was ein? Etwas, das den Namen Anthony Tanaka noch toppt?“
Zero schmunzelte hämisch: „Da gab’s doch so einen Admiral, der bei Vega gegen die Vanduul kämpfte…“
„Admiral Bishop?“, fragte Pike verdutzt. „Ist das etwa dein…“
„Seid ihr wahnsinnig?!“, schimpfte Zwiebus sichtlich entrüstet. „Ich benenne doch mein Schiff nicht nach einem UEE-Admiral!“
An den grinsenden Gesichtern von Zero und Pike erkannte er jedoch sofort, dass er Zero vollkommen auf den Leim gegangen war.
„Idioten!“, fluchte Zwiebus, musste aber schon wieder lachen.
Sie starteten die Centaurus, verließen den Orbit von Crusader und machten sich auf den Weg nach Yela, um dort Zeros alten MediVac-Rover an Bord zu nehmen. Nachdem das Fahrzeug verladen war, ging es gleich weiter zum Mond Daymar. Da Jumptown auf Delamar auf keiner Sternenkarte verzeichnet war, gab es auch keine Sprungkoordinaten. Ergo mussten sie von einem anderen bekannten Ort aus im Tiefflug nach Gradzahl fliegen, um das Drogenlabor zu finden.
„Ich mache mal die Ratte startklar!“, rief Pike und begab sich schnurstracks ins Heck des Schiffes, um den Snubfighter bereitzumachen.
Zero und Zwiebus sahen sich an: „Ratte?“
Von diesem Augenblick an war der neue Name für die Skylark – so hieß der kleine Snubfighter von RSI eigentlich – gesetzt. Die beiden hörten ein leises, dunkles Klonk aus dem Heck. Zwei Augenblicke später schoss die Skylark-Ratte mit Pike im Cockpit davon.
„Ich checke schon mal das Gelände!“, knackte es aus der Funkanlage der Centaurus. Der kleine Ortungspunkt der Ratte wurde immer kleiner, je weiter sich Pike mit dem schnellen Snubfighter vom Mutterschiff entfernte.
„Es scheint alles ruhig zu sein!“, erschallte es rauschend aus den Lautsprechern. „Ein, zwei Schiffwracks sind zu sehen, aber kein Personal weit und breit. Ansonsten ist auch niemand um das Gebäude herum zu erkennen. Direkt westlich neben Jumptown ist ein kleines Tal. Da könnt ihr die Centaurus versteckt landen.“
Pike blieb mit der Ratte in der Luft, um die zwei vor weiteren Überraschungen zu warnen. Zwiebus und Zero kletterten in den MediVac, verließen die Laderampe der Centaurus und machten sich auf den Weg zum Drogenlabor.
„Wir haben eine ziemlich schlechte Sicht auf den ganzen Komplex“, erklärte Zero. „Ich mache deswegen erst mal eine Umrundung, um die Umgebung zu checken.“
Zwiebus beobachtete die Gegend durch die Optik der kleinen Strahlenkanone des MediVacs. „Da sind Maschinengewehre auf den Dächern! Ziemlich dicke Dinger! Doch da ist niemand, der sie bedienen könnte. Ich kann niemanden auf den Dächern erkennen.“
„Na, umso besser“, raunte Zero und parkte den MediVac in der Nähe einer der Baracken, sodass er von den Maschinengewehren nicht erreicht werden konnte. „So, wir müssen jetzt das schützende Fahrzeug verlassen. Da hilft alles nichts!“, sagte Zero, schulterte sein Gewehr und durchschritt die Seitentür des Rovers.
Die beiden hechteten von Container zu Container, bis sie an einer Rampe landeten und über diese auf das Dach der Baracken kletterten. Das Dach war mit kleinen Stegen versehen, sodass man von Gebäude zu Gebäude gehen konnte. An den Stellen, wo sich die Eingänge befanden, waren Maschinengewehrnester installiert, doch weit und breit war keine Seele zu sehen. Allerlei Kisten und Vorräte lagerte auf dem Dach.
„Sieh mal her! Munitionskisten!“, funkte Zwiebus.
In einer auf dem Dach errichteten kleinen Ruheecke mit Matratzen und Tischchen fand Zero noch ein Scharfschützengewehr. „Sieht frisch verlassen aus!“, wunderte er sich. „Als wären alle gerade mal kurz pinkeln!“
So arbeiteten sich beide über das Barrackendach, bis sie an eine Treppe gelangten, die ins Innere führte. Vorsichtig, die Waffen im Anschlag, stiegen sie hinab. Zero und Zwiebus trugen Raumanzüge – andernfalls hätten sie sicherlich den Gestank faulender Pflanzen ertragen müssen, die in einem der Räume zuhauf vor sich hin verrotteten.
„Boah, ist das ein Saustall!“, fluchte Zwiebus.
Die Wände waren mit Graffiti beschmiert, dazwischen mit Parolen bemalte Plakate von UEE-Politikern und aufgerissene Pakete, aus denen das Granulat der Drogenpäckchen herausrieselte und sich auf dem Boden verstreute. Alles in allem ein riesiges Chaos. Mit jedem Schritt, den sie weiter in den Komplex setzten, wurde das Durcheinander abstruser. Auf einer umgestürzten Werkbank stapelten sich zerbrochene Erlenmeyerkolben und schmutzige Glaskolben, in denen ehemals synthetische Substanzen gekocht worden waren. Getrocknete, dickflüssige Reste leuchteten unter dem helmbasierten UV-Licht in einem grellen, giftigen Neon-Grün und liefen in zähen Nasen an den Tischbeinen herab. Überall lagen umgekippte Destillierkolben, zersplittert auf dem mattschwarzen Bodenbelag.
Zwiebus versuchte vergeblich, eine dichte Wolke aus schwebendem Drogenstaub weg zu wedeln, die sich im Lichtkegel seiner Helmlampe spiegelte. „Wo in diesem verdammten Saustall sollen wir überhaupt anfangen?“
Ein Rascheln drang aus dem Wohnbereich. Zero trat mit einer feinen Nachrichtenfolie zwischen den Handschuhen ins Licht. „Gefunden. Das könnte unsere Fährte sein.“
Zwiebus gesellte sich zu ihm und beide blickten auf die Folie:
/s2b - nuen waste management
/s2b - whistlers crypt
/s4 - necropolis
/P3 - prospect depot
Stirnrunzelnd beugte sich Zwiebus über das Dokument. Alle Einträge bezeichneten wohl irgendwelche Orte – vermutlich weitere Drogenlabore. Doch die seltsamen Buchstaben- und Zahlenkürzel vor den Namen sagten Zwiebus überhaupt nichts. Auch Zero schüttelte den Kopf. Die beiden beschlossen, die Liste einzustecken und sich zusammen mit Pike in der Centaurus Gedanken darüber zu machen. Sie funkten Pike Bescheid, dass sie gleich wieder starten würden.
Kaum war die Centaurus wieder in der Luft, dockte Pike die Ratte an das Mutterschiff an und kam zügig auf die Brücke. Auch er rätselte, vermutete jedoch ebenfalls, dass es sich bei den Adressen um weitere Drogenlabore handelte.
„Lass uns nach Nuen Waste Management fliegen!“, knurrte Zero, in die Liste vertieft. „Das ist gleich nebenan, das sollten wir mitnehmen!“
Zwiebus setzte sich in den Pilotensessel und programmierte die Flugroute. Pike begab sich in den unteren Geschützturm, um das Gelände im Auge zu behalten. Zero setzte sich neben Zwiebus auf den Copilotensitz und grübelte weiter über den Inhalt der Nachrichtenfolie.
Plötzlich gab es vom Heck des Schiffes ein fürchterliches Scheppern. Die Centaurus bockte und schien von einem Moment auf den anderen jegliche Auftriebskraft zu verlieren. Wie ein Stein fiel sie der Mondoberfläche entgegen. Zwiebus experimentierte hektisch mit den Energieverteilungsschemata im Cockpit herum. Das Schiff wurde frontlastig und neigte sich dramatisch dem Wüstenboden Daymars zu. Plötzlich sprangen die Steuertriebwerke wieder an. Zwiebus leitete alle Energie in die vorderen Düsen und versuchte, den Sturz abzufangen. Mit einem dröhnenden Ächzen in der Hülle verringerte die Centaurus die Fahrt und stabilisierte sich wieder.
„Was um Himmels willen war das denn?!“, rief Zero.
„Hörte sich an wie die Andockklammern der Ratte!“, meldete sich Pike aus dem Turm und machte sich auf den Weg ins Heck, um nach dem Grund für dieses unerklärliche Flugmanöver zu suchen.
Tatsächlich! Pike traute seinen Augen nicht: Anstelle des Einstiegs in die Skylark war an dem Andocksegment der Centaurus nichts mehr zu finden! Ausschließlich eine dünne Glasabdeckung trennte das Innere des Schiffes vom Vakuum des Weltraums.
„Die Skylark hat sich losgerissen, aber die Notfallabschottung hat funktioniert!“, rief Pike nach vorne.
„Da kann ich nur hoffen, dass die Versicherung bei diesem neuen Schiff mitspielt“, knurrte Zwiebus, in die Displays vertieft. „Weiter geht's nach Nuen Waste Management!“
Es dauerte nicht lange, bis sie den kleinen Außenposten in der Wüste erreicht hatten. Im Gegensatz zu Jumptown standen hier moderne Gebäude in einem tadellosen Zustand – allerdings sehr winzig. Kein Raumschiff war zu sehen, keine Menschenseele zu beobachten. Einzig der Wüstenwind heulte leise. Nahezu idyllisch lagen die Wohncontainer im gleißenden Licht Stantons. Deshalb verließen alle drei die Centaurus und begaben sich, die Umgebung mit ihren Gewehren sichernd, in die Module. Drinnen bot sich ein aufgeräumter Anblick. Einige Paletten mit Drogenpäckchen standen sauber platziert im Lagerbereich.
Die könnten wir jetzt mitnehmen und reich werden, dachte Zwiebus. Doch sein Widerwille gegenüber dem Thema ließ ihn diesen Gedanken schnell verwerfen. Sie durchforsteten das gesamte Gebäude; jeder Schrank und jedes Regal wurden durchsucht.
„Das ist doch die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen!“, fluchte Zwiebus, wobei keiner genau wusste, wie diese Stecknadel auszusehen hatte.
Es war erneut Zero, der triumphierend ausrief: „So! Eine weitere Nachrichtenfolie!“ Er schob ein paar technische Manuals zur Seite. „In diesem Regal hier vorne!“
Zwiebus und Pike schlossen zu ihm auf und studierten gemeinsam den Inhalt:
/P3 - golden riviera
/P3 - prospect depot
/p5a - ashland
/P1 - rustville
Zero runzelte zuerst die Stirn, ehe sich sein Blick erhellte: „Golden Riviera? Das muss eine Siedlung der Headhunter sein! In Pyro.“
„Was um Himmels willen sollen diese seltsamen Buchstaben- und Zahlenkombinationen bedeuten?“, rätselte Zwiebus.
Pike rieb sich das Kinn. „Ich glaube, ich habe da so einen Gedanken...“, orakelte er. „Das sind alle P's am Anfang! Die Orte, die da stehen, sind alle in Pyro, also muss P für Pyro stehen... Das S, das wir auf dem anderen Zettel gesehen haben, bedeutet dann womöglich Stanton.“
Zeros Gesicht erhellte sich: „Die Zahl mit den kleinen Buchstaben dahinter bezeichnet dann die Position der Himmelskörper! Erster Buchstabe: das System. Die Zahl bedeutet die Position des Himmelskörpers zum jeweiligen Gestirn. Der kleine Buchstabe bestimmt vermutlich die Position eines Mondes zum Planeten.“
„Das sieht nach einem sauberen System aus. Eindeutig!“, lachte Zwiebus erleichtert und klopfte Pike auf die Schulter.
„Ist euch gar nicht aufgefallen, dass sich auf beiden Listen ein Eintrag gleicht?“, fragte Zero die anderen beiden.
„Prospect Depot? Dem Code nach müsste es auf Bloom liegen...“, flüsterte Zwiebus gedankenversunken. „Warum taucht dieser Ort auf beiden Listen auf?“
„Ein Knotenpunkt für Drogen-Schmuggelrouten?“, rätselte Pike.
„Keine Ahnung!“, schnaubte Zwiebus. „Wir suchen nach einer Stecknadel und haben eine ganze Menge Heuhaufen! Prospect Depot ist der einzige Heuhaufen, der auf beiden Listen auftaucht. Es ist ein sehr schwacher Anhaltspunkt, aber es ist einer! Wir sollten uns demnächst auf die Reise nach Bloom machen.“
„Richtig“, nickte Zero bestimmt.
Auch wenn Zwiebus manchmal das Gefühl hatte, sie befänden sich auf der falschen Fährte, machte er mit. Er wurde das Gefühl nicht los, dass diese Nachrichtenfolien gefunden werden sollten! Zwei Orte durchsucht… Zwei Hinweise mit jeweils vier Einträgen gefunden… In Zwiebus Kopf bildete sich langsam ein gordischer Knoten. Zudem ging ihm das seltsame Verhalten Cabassas nicht aus dem Kopf.
„Die Reise nach Bloom werden wir jetzt auf die Schnelle aber nicht hinbekommen“, sagte Zwiebus schließlich. „Ich muss erst mal zurück nach Levski. Ich denke, ich werde dort noch mal ein paar Nachforschungen anstellen, was Oron Cabassa betrifft.“
„Gut, dann trennen sich unsere Wege erst mal wieder“, antwortete Zero. „Wenn du etwas herausgefunden hast, Zwiebus, sag Bescheid. Ich denke, die Zeit läuft uns allmählich davon.“
Die Centaurus landete wenig später auf Orison. Nach einem abschließenden Besuch in Whammy's Burgers trennten sich die Wege der drei Abenteurer, und Zwiebus brach auf – zurück nach Levski.