Zwiebus´ Logbuch / 17.04.2096 SEY / Nyx / QV-Breaker-Station / Teil 1
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Lord_Zwiebus -
21. April 2026 um 01:39 -
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Zwiebus´ Logbuch / 17.04.2096 SEY / Nyx / QV-Breaker-Station / Teil 1
Teil 1
Der Gestank von Levski und der Ruf des Gürtels
Die People's Alliance Service Station Delta wirkte wie aus einem Baukasten zusammengesetzt. Zwiebus hatte Levski inzwischen den Rücken gekehrt und sich auf der People's Service Station Alpha niedergelassen. Nach der verheerenden Molina-Schimmel-Epidemie und den darauffolgenden Dekontaminationsmaßnahmen hing in den Gängen von Levski noch immer der stechende Gestank von Desinfektionsmitteln. Selbst im Café Musain war an Genuss nicht zu denken.
„Hier bekommt man ja keine Luft, ohne dass einem die Lungen verätzen“, hatte Zwiebus geschimpft, während er sich die Nase zuhielt, um einen Schluck seines Getränks zu nehmen. Er fasste daher den Entschluss, vorübergehend in einen der Außenposten von Levski auszuweichen. Kurzerhand packte er seine Habseligkeiten und zog auf die People's Service Station Alpha um.
Diese Servicestationen, die ebenfalls unter der Schirmherrschaft der People’s Alliance standen, bestanden im Grunde aus denselben Modulen wie die Station Levski auf Delamar. Auch sie waren einst Relikte des ehemaligen Bergbaukonzerns Quaid Vertigo. Die Übereinstimmung der modularen Bauweise mit der Architektur in Levski war geradezu frappierend.
An diesem Tag war Zwiebus mit seinen Gefährten vom Zenith Service Kontor – dem ZNSK – auf der Service Station Delta verabredet. Er stellte fest, dass die Anlage bis auf den letzten Quadratzentimeter identisch mit der Alpha-Station war.
„Haben die hier nur eine einzige Blaupause für das ganze System?“, fragte er sich grinsend, während er zielsicher durch die Korridore schritt. Offenbar hatte man diese Stationen im Eiltempo nach einem Baukastenprinzip billig hochgezogen und tief in das Gestein der Asteroiden getrieben. Wenigstens fand er sich sofort zurecht; die Laufwege waren exakt dieselben wie auf seiner neuen Heimatstation.
Der Treffpunkt befand sich im Central Hub. Das dortige Aussichtsfenster verdiente seine Bezeichnung jedoch kaum. Diese Servicestationen lagen nicht im Glaciem-Ring wie die Mutterstation Levski, sondern im Keega-Belt. Dieser war um ein Vielfaches gewaltiger als der Ring, in dem der Asteroid Delamar schwebte. Dichte Staubwolken und endlose Trümmerfelder aus urzeitlichem Fels durchzogen diesen Teil des Nyx-Systems rund um die ferne Sonne.
Zwiebus musste unweigerlich an die uralten Legenden der terranischen Seefahrt denken, so neblig und undurchdringlich war der Durchflug durch den Keega-Belt. Streckenweise war ihm nichts anderes übrig geblieben, als sich blind auf den rhythmischen Ping seines Radars zu verlassen, um den Anflug auf die Station überhaupt zu bewerkstelligen.
Er erinnerte sich noch an den Anflug auf Delta. Das Gefühl, dass die Staubwolken hier noch um ein Vielfaches dichter waren, als bei seiner neuen Heimat, der Alpha-Station, liess sich nicht leugnen. Dennoch war es ein beruhigender Gedanke, dass die People's Alliance nahezu das gesamte Nyx-System für sich beanspruchte. Dies lag ganz in Zwiebus’ Sinne. Irgendjemand musste den mächtigen Megakonzernen – und ganz speziell diesem neuen, zwielichtigen Akteur namens „Genesis“ – schließlich etwas entgegensetzen. Es galt, mit aller Macht dafür Sorge zu tragen, dass das große Geld nicht auch noch das Nyx-System komplett unterwarf.
Zwiebus kam sich auf dieser Servicestation fast wie auf einem einsamen Vorposten vor, unmittelbar vor dem Ausbruch eines gewaltigen Konflikts. Seit einiger Zeit machten auf Levski düstere Gerüchte die Runde. Zwiebus erinnerte sich an eine Szene vor ein paar Tagen. „Man sagt, die Molina-Mold war erst der Anfang“, hatte ein Bewohner Levskis ihm in zugeraunt. „Die Alliance steht vor Prüfungen, gegen die die Pilzseuche wie ein Kinderspiel wirken wird.“
Jendrikon erwartete die Gruppe bereits. Er hatte sich im Aufenthaltsbereich vor dem gewaltigen Sichtfenster postiert, das jedoch in diesem Moment kaum einen Blick nach draußen gewährte; dichte, grünlich-graue Staubwolken drückten gegen das Panzerglas und hüllten die Station in ein unheimliches Zwielicht.
Da stand er, wie gewohnt mit kahl rasiertem Schädel und dem akkurat gepflegten Bart. Zwiebus betrachtete ihn einen Moment lang und musste unweigerlich an einen anderen Mann denken, der Jendrikon verblüffend ähnlich gesehen hatte – jemand, mit dem er früher gelegentlich zu tun hatte, der jedoch inzwischen verstorben war.
„Wer kommt noch?“, durchbrach Zwiebus schließlich die Stille.
Jendrikon wandte den Blick nicht vom Fenster ab, als er antwortete: „Also, die Nachricht habe ich an Sulanfor und an Cyrill Walker rausgeschickt. Beide sind auch schon im Comm zu hören, nur eben noch nicht physisch hier.“
„Alles klar“, erwiderte Zwiebus knapp. Er hob die Hand zu seinem Helm und justierte seine anzuginterne Comm-Einheit neu, um beide Neuankömmlinge sofort auf dem Kanal zu haben.
Zwiebus, der die ursprüngliche Nachricht von Jendrikon in der Eile nur überflogen hatte, trat näher. „Was genau ist jetzt eigentlich unser Ziel? Deine Nachricht klang ziemlich aufgeregt. Das müsstest du uns wohl mal etwas genauer erklären, oder?“
„Besonders gut erklären ist gar kein Ausdruck. Ja!“, sagte Jendrikon und zog die Augenbrauen hoch. „Wir konnten Abbaurechte von Shubin Interstellar ergattern. Die möchten, dass wir eine alte Station von QV wieder flott machen. Diese Anlagen sind bereits mehrere hundert Jahre alt und seit Langem stillgelegt, aber jetzt wird es wieder wirtschaftlich interessant, im Nyx-System eine vernünftige Infrastruktur auf die Beine zu stellen.“
In diesem Moment bog Cyrill Walker um die Ecke und stapfte in den Raum. „Ich habe die Argo Raft mitgebracht und sie bereits komplett mit Mole-Erzsäcken behängt“, verkündete er, ohne Zeit mit Förmlichkeiten zu verschwenden. „Wir werden also keine Probleme haben, die gewonnenen Mineralien in einem Rutsch abzutransportieren.“
Er kam, wie immer, sofort zur Sache.
„Hi, Mr. Walker!“ Zwiebus trat einen Schritt zur Seite, um ihn in die Gruppe aufzunehmen. Sulanfor war nämlich inzwischen ebenfalls eingetroffen; er nahm gerade seinen schweren Helm ab und begrüßte die anderen mit einem freudigen Lächeln.
Die Luft im Central Hub war von Erwartung geschwängert. Jendrikon lehnte sich vor, die Augen fest auf sein Mobiglas gerichtet. „Was haben wir jetzt?“, wollte er genau wissen.
Cyrill erwiderte ruhig, während er die Spezifikationen auf seinem MobiGlas durchging: „Die Argo MOLE, ausgestattet mit drei Laserarbeitsplätzen. Dazu haben wir die Argo RAFT, damit wir den ganzen Kram sauber wegkriegen.“ Er machte eine kurze Pause und fügte hinzu: „Die alten QV-Breaker-Stationen haben schon damals das neu entdeckte Savrilium-Mineral gefördert.“
Zwiebus rief die entsprechenden Daten auf seinem Display auf und las mit lauter Stimme vor: „Savrilium ist ein Metallrohstoff, der aus Savrilium-Erz gewonnen wird. Dieses Metall, das erstmals im Nyx-System entdeckt wurde, war dank seiner einzigartigen Legierungseigenschaften ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die frühen Bergleute des Systems.“
„Ganz schön dürftig, dein Lexikon-Eintrag!“, lästerte Sulanfor und grinste schief.
Zwiebus runzelte die Stirn, während er die kleine Gruppe musterte. „Meint ihr, vier Leute reichen?“
„Wird schon gehen“, entgegnete Cyrill Walker knapp.
Zwiebus wusste, dass Walker ein absoluter Mining-Experte war. Er erinnerte sich an den einen oder anderen Flug in der MOLE unter seiner Leitung. Dieser Mann kannte die Laser und die Module seiner Argo MOLE mit Vornamen; er konnte Steine lesen wie andere Leute Bücher.
Dennoch blieb ein ungutes Gefühl. Es ging um eine alte Bergbau-Station, die seit Ewigkeiten stilllag. Zwiebus sah Cyrill Walker prüfend an. „Wie sieht es da aus? Kann es sein, dass dort wieder irgendwelche Plünderer und Piraten auf uns warten?“
Jendrikon deutete wortlos auf seine schwere Kampfausrüstung, die er bereits angelegt hatte – so wie jeder von ihnen. Er nickte nur düster. „Was glaubst du denn?“
„Ja gut, Leute“, unterbrach Sulanfor die aufkommende Stille und begann, seine Ausrüstung ein letztes Mal zu prüfen. Die anderen taten es ihm gleich. „Los geht’s, wir treffen uns in Cyrills Hangar.“
Als sie den Hangar erreichten, hielt Zwiebus unwillkürlich inne. Er hatte die Argo MOLE als mächtiges Schiff in Erinnerung, doch hier, inmitten der gewaltigen Leere der Anlage, wirkte das große Mining-Schiff des Herstellers Argo fast wie ein winziger Punkt. Ein unfassbar großer Hangar wölbte sich über seinem Haupt. Beim Blick nach oben überkam ihn ein leichtes Schwindelgefühl.
Ich frage besser nicht, was Cyrill sonst noch für Schiffe hat, dachte Zwiebus bei sich. Hier könnte man ja problemlos eine Reclaimer unterbringen!
Die vier verstauten ihre Ausrüstung und nahmen ihre Positionen ein. Sulanfor und Cyrill Walker enterten die Argo-Raft währen Jendrikon und Zwiebus in der Argo-Mole platz nahmen.
„Okay“, murmelte Cyrill, während er an den Kontrollen hantierte. Er aktivierte das Intercom, sodass seine Stimme überall in beiden Schiffen klar zu hören war: „Klar zum Sprung!“
Wenige Augenblicke später verschwand die Umgebung, nur um sich Millisekunden später wieder klar zu manifestieren. Der Quantumsprung war eingeleitet; die Schiffe rasten nun im Quantumflug durch die Schwärze.
Das Erwachen des Giganten
Die Mining-Station, welche die Shubin Interstellar wieder in Betrieb nehmen wollte, war ein uraltes, verlassenes Industrieareal auf einem riesigen Asteroiden. Allein der Flug dorthin dauerte gefühlt eine Ewigkeit. Die Station musste wirklich weit außerhalb im Keega-Gürtel liegen.
Zwiebus wanderte ein wenig durch das Schiff um sich mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Schließlich fand auch er sich vorne im Cockpit ein. Er leistete Jendrikon Gesellschaft, der unerwartet anfing, über Pizza und die Vorzüge von Ananas zu philosophieren. Zwiebus musste unwillkürlich grinsen. Dass sie tatsächlich echte Ananas im Nyx-System dabeihatten, war ein wildes Unterfangen und selbst für einen Logistikexperten wie Jendrikon alles andere als einfach.
Jendrikon lachte und antwortete verschmitzt: „Kein Problem, wir haben hier richtige Ananas und nicht diesen synthetischen Scheiß. Alles stammt von Terra Mills Farm – die beliefern uns exklusiv!“
Zwiebus grübelte darüber nach, ob dies wirklich ein gutes Zeichen war. Wenn der Anführer der Truppe über solche Belanglosigkeiten sprach... wer wusste schon, was ihnen auf der QV-Station tatsächlich begegnen würde?
Die Argo MOLE und die Argo RAFT tasteten sich vorsichtig durch dichte Staubwolken. Die Sicht war gleich null. Langsam schälte sich ein gewaltiger Asteroid aus der Dunkelheit heraus. Mit einzelnen Ping-Ortungen versuchte Jendrikon, die Ausmaße dieses Gebildes zu bestimmen. Es war auffällig: In die längliche Form des Asteroiden, der mehrere tausend Meter maß, war eine kreisförmige Konstruktion hineingeschnitten worden. Ein weiterer Asteroid, mehrere hundert Meter lang und etwa 180 Meter breit, schwebte inmitten dieses Rings.
„Die müssen den Betrieb ziemlich hektisch eingestellt haben!“, entfuhr es Zwiebus plötzlich. „Sie haben es nicht einmal geschafft, ihren letzten Stein zu brechen.“
„Ja, aber das ist unser Glück!“, entgegnete Jendrikon und lachte laut auf. „Den haben sie nicht ohne Grund in diesem Monster von einem Laserbogen geparkt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit beinhaltet dieser Fels sehr, sehr wertvolle Materialien. Das wird eine profitable Geschichte, Leute! Das verspreche ich euch!“
In Jendrikons Augen schienen förmlich die Credits zu leuchten. Doch Zwiebus wusste, dass es nicht reine Gier war, sondern ein ausgeprägter Geschäftssinn – ein Sinn, von dem er hoffte, dass er auch der People's Alliance zugutekommen würde. Es sollte nicht so enden wie die Aktivitäten der UEE-Konzerne, welche die Alliance eher gefährdeten.
Mit äußerster Vorsicht und bei sehr langsamer Fahrt tasteten sie sich durch die dichten Staubwolken an den, mehrere hundert Meter langen Asteroiden heran, der darauf harrte, gebrochen zu werden. Ein massiver Ring, bestückt mit schweren Bergbau-Laseraggregaten, umspannte den Himmelskörper wie ein eisernes Band und wartete nur auf das Signal zur Aktivierung.
„Genau deshalb sind wir hier!“, rief Jendrikon in freudiger Erwartung aus. Sein Blick war fest auf die Sensoren gerichtet. „Wir werden dieses Ding wieder in Betrieb nehmen – koste es, was es wolle.“
Doch die Euphorie hielt nicht lange an. Zwiebus, der die Umgebung mit Argusaugen beobachtete, konnte schemenhaft zwei fremde Schiffsrümpfe auf den entfernteren Landepads ausmachen. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn sofort. „Da geht er schon los, der Ärger“, brummte er in seinen Bart. Auf einem der Pads parkten ein massives Frachtschiff von RSI und ein Truppentransporter, eine Prowler.
„Hatten sie uns nicht Exklusivrechte zugesprochen, um die Station wieder hochzufahren?“, fragte Zwiebus sichtlich verunsichert.
Jendrikon raunte düster zurück und deutete vielsagend auf den Waffenschrank: „Na ja, Plünderer halten sich nun mal nicht an Verträge.“
Trotz der drohenden Gefahr setzten die beiden ZNSK-Raumer, unbeschadet auf einem noch freien Landeplatz auf. Jetzt fanden sich alle Vier wieder auf dem Landepad zusammen. Sulanfor grinste finster, während er die Umgebung sicherte. „Wer weiß, vielleicht haben die Insassen dieser Schiffe ihr Ende bereits in den Katakomben dieser Station gefunden. Keine Konkurrenz mehr für uns.“
Knapp über den Landepads erhoben sich kleine Gebäude, an denen verwitterte Schienenkonstruktionen vorbeiführten. Jendrikon blickte in die Runde und versuchte, die angespannte Stimmung mit einem Scherz zu lockern: „Was meint ihr? Wollen wir auf den nächsten Bus warten?“
Zu ihrer Überraschung schienen die Schaltpanels an diesen „Bushäuschen“ tatsächlich noch unter Strom zu stehen. Sie leuchteten schwach im fahlen Licht der fernen Nyx-Sonne. Es war möglich, über sie eine Transportgondel anzufordern, die sie tief in das Herz der Station bringen sollte.
Zwiebus starrte sprachlos auf die Anlage. Die Ingenieursleistung, die hier vor Jahrhunderten vollbracht worden war, überstieg seine kühnsten Vorstellungen. Vor zwanzig Jahren war er selbst als „Felsenhüpfer“ mit seinen Leuten im Glaciem-Ring unterwegs gewesen und hatte sogar kurzzeitig als Experte für den Asteroiden-Transport gearbeitet. Doch diese Station war eine andere Liga. Dieser gigantische Metallring, fähig, massive Asteroiden präzise zu umschließen und zu zerschneiden... er war sichtlich beeindruckt. „Das muss man neidlos zugestehen“, nickte Zwiebus anerkennend. „Diese Leute hatten damals scheinbar mehr drauf als wir heute.“
Mit schussbereiten Waffen im Anschlag schlichen sie durch die endlosen Korridore. Die Gänge waren gezeichnet vom Zahn der Zeit, aber mehr noch von den Spuren zahlloser Plünderer. Ganze Wandverkleidungen fehlten, und die dahinter liegenden technischen Aggregate waren entweder laienhaft überbrückt oder grob herausgerissen worden. An einigen Stellen standen die Leitungsstränge noch unter Spannung; Funken sprühten zischend quer durch den Gang. Alle zogen unwillkürlich die Köpfe ein und nahmen sich vor der unberechenbaren Energie in Acht.
Cyrill blieb stehen und ergriff das Wort. „Hört zu. Als Erstes müssen wir einen Reaktor finden. Wir brauchen zumindest genug Energie, um den Ringlaser in Betrieb nehmen zu können.“
Zwiebus sah ihn skeptisch an und hielt dagegen: „Wie stellst du dir das vor, Cyrill? Diese Geräte sind mehrere hundert Jahre alt und wurden ewig nicht mehr hochgefahren. Kannst du dir vorstellen, was mit diesen gigantischen Kondensatoren geschieht, wenn sie sich nach Jahrhunderten plötzlich schlagartig wieder mit Energie füllen?“
„Das Risiko, das wir hier eingehen, ist es wert“, entgegnete Cyrill entschlossen. „Ich bin mir sicher, uns wird so schnell nichts um die Ohren fliegen – es sei denn, irgendwelche Plünderer eröffnen das Feuer.“ Er trat einen Schritt zurück und entdeckte an einer riesigen Säule, die sich als Teil des Reaktors entpuppte, einen Schalter. Kurzerhand legte er ihn um. Doch es geschah nichts.
„Ist ja klar!“, warf Jendrikon ein. „Da fehlen garantiert noch ein paar Energie-Packs. So ein Reaktor braucht erst einmal eine Grundspannung, um überhaupt hochfahren zu können. Diese Packs finden wir sicher in den alten Bergbaugeräten, die hier überall zerstört herumstehen.“ Er trat näher an die Gruppe heran. „Die Energie-Packs sind universell einsetzbar. Es kommt nur auf die Anzahl an, um eine höhere Energieausbeute zu erzeugen. Ich bin mir sicher, dass wir das Ding in kürzester Zeit wieder in Betrieb haben.“
„Sektor 1a.“ Diese Bezeichnung prangte in verblichenen Lettern an einem wuchtigen Schott. Cyrill Walker und Sulanfor machten sich sofort daran, die veralteten Sicherheitsmechanismen zu überbrücken. Es dauerte nicht lange, bis das schwere Metall zur Seite glitt. Dahinter stieß Jendrikon sofort auf eines der gesuchten Energie-Packs.
„Alles klar, Leute!“, rief er über Interkom. „Wir transportieren das Pack jetzt erst einmal zum Reaktor und setzen es sofort ein.“ Gesagt, getan. Jendrikon schnappte sich sein Multitool, aktivierte den Traktorstrahlaufsatz und bugsierte das schwere Pack sicher vor sich her, während die anderen den Rückweg sicherten.
Und tatsächlich: In der Ferne huschten gelegentlich Lichtkegel von Helmlampen durch die Dunkelheit, und das Echo unvorsichtiger Schritte hallte durch die fernen Gänge. Den Vieren gelang es zunächst, den Plünderern auszuweichen, doch gelegentlich kam es zu ernsthaften Konfrontationen. Zwiebus nickte den anderen drei anerkennend zu; sie wirkten wie ein eingespieltes Team, das solche Einsätze nicht zum ersten Mal bestritt.
Zwiebus hätte gerne an manchen Stellen innegehalten, um die gigantischen Ausmaße dieser Anlage auf sich wirken zu lassen, doch die anderen waren Profis und ließen sich von der toten Gigantomanie nicht mehr beeindrucken.
Die Feuergefechte mit den Plünderern waren meist kurz, heftig und endeten endgültig für ihre Gegner.
„Gut! Sehr gut!“, rief Cyrill plötzlich aus. Er bückte sich über ein Mineralvorkommen, das sich deutlich von der Felswand abhob. „Das hier ist Sadaryx! Dieses Material hier können wir hervorragend verwenden, um die Linsen zu schleifen.“
...es geht weiter in Teil 2
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