- Vorname:
- Jaron
- Nachname:
- Kessler
- Größe
- 178
- Haarfarbe
- tbd
- Augenfarbe
- blau
- Sozialer Status
- Civilian
- Heimatssystem:
- Stanton
- Geburtsdatum:
- tbd
- Geburtsort:
- New Babbage
- Beruf(e):
- Söldner
Mein Name ist Jaron Kessler. Das Licht des Kreissaals erblickte ich in New Babbage auf Microtech. Ein Ort, der so wirkt, als hätte der Mensch hier über den Planeten gesiegt. Glaskuppeln, beheizte Korridore, klimaregulierte Boulevards, lichtdurchflutete Gänge. Aber New Babbage ist kein Sieg der menschlichen Ingenieurskunst über den Planeten. Die Stadt ist der Versuch einer Korrektur. Das Microtech zum Eisplaneten wurde, war nie so vorgesehen. Der Planet sollte bewohnbar werden - so wie andere auch. Doch das Terraforming scheiterte. Was vom Versuch blieb, war das Eis. Und die Erkenntnis, dass manche Fehler einfach bleiben.
New Babbage existiert, weil dieser Fehler nie vergessen wurde. Oder besser: weil man gezwungen ist, ihn nicht zu vergessen. Tag für Tag, Nacht für Nacht arbeiten zahlreiche Systeme gegen diesen Fehler an. Hinter jeder Wand, unter jedem Boden, in jedem konstanten Brummen der Heizung steckt dieselbe Wahrheit: Hier auf Microtech ist nichts selbstverständlich. Wärme nicht. Luft nicht. Ja vielleicht selbst die Zeit nicht. Der Planet toleriert keine Nachlässigkeit. Außerhalb der Schutzglasfassaden und Schleusen lauert der Tod - nicht aggressiv, sondern still und gleichgültig. Kalt und effizient. Obwohl Microtech wenig Raum für organisches Leben lässt, sehe ich in ihm trotzdem keinen feindseligen Planeten, sondern das Ergebnis menschlicher Handlungen. Ursache und Wirkung.
Eine meiner frühesten Erinnerungen sind die stetigen Hintergrundgeräusche der Stadt: das sonore Brummen der Heizungssysteme, das Zischen der Luftaufbereitung und das gedämpfte Summen der Energieverteilung. Ich empfand diese Geräusche nie als Lärm. Für viele waren sie nur Kulisse. Für mich hingegen der Puls der Stadt. Das Lebenszeichen einer Stadt, die sich selbst am Laufen hält. Vielleicht ist das übertrieben, aber so hat es sich für mich angefühlt. Wenn sich die Geräusche veränderten, galt es aufmerksam zu sein. So wurde es mir beigebracht. Wenn sie ausblieben und sich Stille ausbreitete, dann wurde es gefährlich...
Ich kann mich noch gut erinnern, als während eines Schneesturms das Heizungssystem in unserem Bereich ausfiel. Mitten in der Nacht wurde ich schlagartig wach - nicht wegen eines Geräusches, sondern wegen seiner Abwesenheit. Kein Brummen und Summen. Stille. Ich verharrte noch eine Weile regungslos im Bett und lauschte angestrengt in die Dunkelheit, in der Hoffnung, dass die vertrauten Geräusche zurückkehrten. Doch das einzige, was ich hörte, war das leise Flüstern meiner Eltern. Die Kälte kroch langsam unter meine Bettdecke und ich fing an zu zittern. Meine Mutter setzte sich zu mir an die Bettkante, redete ruhig mit mir und erklärte mir die Situation, während sie mir meinen Thermoanzug, Handschuhe und eine Mütze anzog. "Für alle Fälle." sagte sie. Mein Vater sprach leise in sein Mobiglass. Kurze Sätze. Dann Pause. Die Zeit verging und ich dachte daran, wie kalt es draußen sein musste und fragte mich, wie lange es wohl dauerte, bis es hier drinnen genauso kalt ist. Als das Heizungssystem wieder ansprang, kehrte das vertraute Summen und Brummen langsam wieder zurück. Meine Eltern erklärten mir, dass es zu keinem Zeitpunkt wirklich gefährlich gewesen sei, da entsprechende Vorkehrungen getroffen waren. Seitdem ist Stille für mich kein Zeichen von Ruhe. Sie ist ein Warnsignal. Und sie lässt mich bis heute wach liegen, lange nachdem andere wieder schlafen können.
In meiner Kindheit verbrachte ich immer wieder viel Zeit in den Randbereichen von New Babbage - fernab der Boulevards und der holographischen Werbetafeln. Es zog mich zu den Beobachtungsplattformen, den Übergangszonen und den Wartungskorridoren - dorthin wo Eis auf Glas traf, wo die Grenze zwischen "Drinnen" und "Draußen" war..Drinnen: künstliches Licht, beheizte Gänge, kontrollierte Systeme....Draußen: kaltes, weißes, indifferentes Nichts. Beim Blick aus den Fenstern wuchs in mir die Erkenntnis, dass New Babbage nicht existierte, weil alles zu jeder Zeit funktionierte - sondern weil Fehler kompensiert wurden. Weil Systeme nicht perfekt waren und darum überwacht wurden - von Menschen, die bereit waren, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen...Wollte ich später in meinem Leben nur beschützt werden oder selbst Verantwortung für Sicherheit tragen? Nicht nur zu meinem eigenen Schutz, sondern auch zum Schutz der anderen?...
Meine Eltern - Jakob und Mara - waren beide bei Microtech angestellt. Sie überwachten und warteten infrastrukturelle Anlagen. Heizung. Energie. Transport. Dinge, die für die meisten selbstverständlich sind und die keiner wahrnimmt - solange sie funktionieren. Ein Satz meines Vaters ist mir lebhaft in Erinnerung geblieben - auch wenn ich ihn zum damaligen Zeitpunkt noch nicht richtig verstanden hatte. Heute schon: "Ein guter Tag ist einer, an dem niemand merkt, dass wir gearbeitet haben.“ Zwei Dinge lernte ich durch meine Eltern schon früh:
- Sicherheit ist kein Zustand. Sie ist ein Prozess. Sie entsteht aus Kontrolle, Disziplin und Aufmerksamkeit. Die entscheidende Frage ist nicht, ob etwas schiefgeht, sondern lediglich wann – und wie gut man vorbereitet ist.
- New Babbage wird von voneinander abhängigen Systemen getragen. Deshalb muss man seine Arbeit sauber machen - weil andere davon abhängen.
In der Schule galt ich als ruhig und unauffällig - kein Überflieger, aber auch kein Problemfall. Meine Lehrer sagten: Er ist konzentriert, ausdauernd und hält sich an die Regeln. Meine Freizeit gestaltete ich ebenfalls ruhig: wenige, aber dafür tiefe Freundschaften und viel Zeit für mich selbst. Regelmäßiges körperliches und mentales Training gehörte auch dazu - aber nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Gewohnheit. Ich verstand früh, dass körperliche und mentale Belastbarkeit nicht so sehr vom Talent abhängen, sondern von Disziplin.
Im Rahmen eines Schulprojektes erhielten mein Freund Nathan und ich Zugang zu den Datenarchiven von New Babbage. Offiziell ging es um historische Konflikte aus der "Messer-Ära". Inoffiziell aber haben mich ganz andere Dinge interessiert: alte Einsatzprotokolle, freigegebene Nachbesprechungen und Einsatzanalysen/-berichte, historische Zusammenfassungen, etc. Immer wieder stieß ich auf Berichte von kleinen, isolierten, meist namenlosen Einheiten, die vorausgeschickt worden sind: Fernspäher. Soldaten, die nicht an der Front kämpften, sondern noch davor. Soldaten die beobachteten und sahen, was kam, wenn andere sich noch in Sicherheit fühlten. Soldaten, die Zeit verschafften, für Entscheidungen und Vorbereitungen. Auch nach dem Abschluss des Schulprojektes ließ mein Interesse an der UEE Army im Allgemeinen und an der Fernaufklärung im Besonderen nicht nach....ganz im Gegenteil....
Je näher mein Schulabschluss rückte, desto klarer wurde mir, dass ich eine Antwort auf die Frage finden musste, die schon immer im Raum stand..die sich mir schon früh in meinem Leben an den Beobachtungsplattformen oder in den Randbereichen der Stadt gestellt hatte...Will ich mein Leben innerhalb eines Systems verbringen, das andere absichern oder will ich selbst einer der Faktoren sein, die verhindern, dass etwas schiefgeht? Ich wollte letzteres...blieb nur noch die Frage: In welcher Form? Will ich nach meinem Schulabschluss in die Fusstapfen meiner Eltern treten und als Ingenieur/Techniker/ etc. dafür sorgen, dass das System funktioniert? Verantwortung dafür übernehmen, dass andere sicher sein können?...oder....
Ich entschied mich für die UEE Army. Nicht sofort, aber irgendwann war klar, dass ich es tun würde... Es war keine Suche nach Ruhm, keine Abenteuerlust, die mich meine Bewerbung an die UEE Army schreiben ließen. Es war eine logische Entscheidung - zumindest damals. Das Militär versprach keine Sicherheit - aber Disziplin, Vorbereitung, Training und Verantwortung füreinander. All das, was Microtech mich - bewußt oder unbewußt - bereits von Kindheit an gelehrt hatte.. Wenn Sicherheit ein Prozess ist, dann wollte ich ein aktiver Teil dieses Prozesses werden - nicht hinter Glas, sondern draußen.
Meine Eltern stellten keine großen Fragen. Sie akzeptierten es - auch wenn sie sich etwas anderes für mich vorgestellt hatten. Meine Mutter sagte zum Abschied: "Sorge dafür, dass andere sich auf deine Arbeit verlassen können."....und das habe ich versucht.
Meine Grundausbildung im Kilian-System dauerte 16 Wochen. Frühes Aufstehen, ständiges Marschieren, Schießübungen - die Grundlagen. Was meinen Ausbildern auffiel, waren Anzeichen hoher Selbstdisziplin, Frustrationstoleranz und eine ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit.
Nach Abschluß der Grundausbildung begann die spezialisierte Infanterieausbildung. Dies bedeutete: erweitertes Schießtraining - auch mit unterschiedlichen Waffensystemen. Taktische Ausbildung in Angriff und Verteidigung. Aufklärung und Überwachung - hier bestätigten sich die Eindrücke meiner Ausbilder, die sie in der Grundausbildung gesammelt hatten. Ich konnte mich hier von den meisten meiner Kamerade abheben: Stundenlanges Verharren und Beobachten - teilweise ohne Bewegung und Gespräch. Für viele war dieses "Warten" eine Belastung - ich kannte das Warten, die Isolation und die Stille von meinen Streifzügen durch die Randbereiche von New Babagge. Zum Ende der spezialisierten Infanterieausbildung wurde ich zu einem Gespräch eingeladen. Ein nüchterner Raum, zwei Offiziere und meine Akte auf dem Tisch. Man stelle mir eine Menge Fragen und am Ende eröffnete mir man, dass man in mir das Potential zu einem Fernspäher sah...
Auf Empfehlung meiner Ausbilder nahm ich darauf hin am Auswahlverfahren zum Fernspäher teil. Zehn Wochen harte Vorbereitung und dann ein zwei wöchiges Auswahlverfahren bis an die Grenzen der körperlichen und mentalen Belastbarkeit und darüber hinaus....Ein Viertel der Teilnehmer am Auswahlverfahren schaffte es - und ich war einer von ihnen. Es begann eine umfassende dreijährige Ausbildung: Kampffähigkeiten, Aufklärung und Informationsgewinnung, In-/Exfiltration, Überleben und Versteckbau und immer wieder das Training der mentalen und körperlichen Eigenschaften.
Nach Abschluss meiner Ausbildung zum Fernspäher wurde ich meiner Aufklärungseinheit zugeteilt: E/51st Infantry. Die darauf folgenden fünfzehn Jahre verbrachte ich in wechselnden Einsatzgebieten – Grenzsysteme, Randsektoren, verlassenen Außenposten... Beobachten, melden, warten - Feuerkampf nur selten. Es waren keine heldenhaften Jahre. Es waren Jahre, die geprägt waren durch Routine, Disziplin und einer stillen Professionalität. Wir verhinderten Dinge, von denen andere nie erfuhren. Und wenn wir unseren Auftrag richtig erfüllten, wusste niemand, dass wir dort gewesen waren. In dieser Zeit lernte ich, dass Vetrauen zwischen wenigen mehr Wert ist, als jede Auszeichnung.
Wir taten das, was von uns erwartet wurde.
Nach fünfzehn Jahren verließ ich die Army. Nicht aus Unzufriedenheit, sondern weil sich etwas in meiner Perspektive verschoben hatte. Bei den Fernspähern der Army hatte ich meinen Platz gefunden. Ich konnte meine Fähigkeiten sinnvoll einsetzen, es gab klare Abläufe, geregelte Zuständigkeiten - ein System. Und ich habe Freundschaften geschlossen, wie sie nur unter Männern möglich sind, die Hochrisikosituation gemeinsam überstanden haben.
Mit der Zeit drängte sich mir jedoch zunehmend eine Frage auf: Für wen arbeite ich eigentlich? Nicht im politischen oder idealistischen Sinne - sondern ganz konkret. In jeder Hierarchie verteilt sich Verantwortung über mehrere Ebenen - bis sie sich irgendwo verliert. Ich wollte die Verantwortung wieder näher an mich heranholen, sie unmittelbar an mein Handeln, meine Entscheidungen binden. Ausschlaggebend für diesen Wunsch nach Veränderung war ein Einsatz auf einem Mond:
Es ging um die Aufklärung eines aufgegeben Außenpostens in einem ehemaligen Abbaugebiet. Man vermutete dort das Rückzugsgebiet von Piraten, auf deren Konto zahlreiche Überfälle auf Handelsschiffe, etc. gingen. Es war kein Kampfeinsatz - es ging nur darum aufzuklären, ob es sich um einen Sammelpunkt der Piraten handelte oder nicht. Beobachten und Melden. Nicht eingreifen. Unser Team bezog Stellung auf einer Anhöhe in einiger Entfernung, von wo aus wir einen guten Blick auf alle Eingänge hatten. Die Anlage wirkte wie tot. Vereiste Förderbänder, halb verfallene Hallen. Kein Funkverkehr den wir abhören konnten, keine von uns oder den Sensoren registrierte Bewegung - einfach nichts. Doch nach einiger Zeit fiel Wong - unser Spezialist für optronische Aufklärung - etwas auf. Zunächst keine Bewegung, aber thermische Signaturen. Schwach und unregelmäßig. Mehrere Quellen nahe beianander: Es waren Menschen. Unsere Geräte zur passiven akustischen Erfassung regsitrierten auf ein mal Stimmen. Husten. Kinder. Keine Kämpfer. Gemäß Auftragslage meldeten wir unsere Beobachtung: Zivilisten im Operationsgebiet. Flüchtlinge? Durchreisende? Unsere Meldung wurde zur Kenntnis genommen und eine Evakuierung sollte zu einem späteren Zeitpunkt überprüft werden. Unser Auftrag bestand nach wie vor fort. Als die Morgendämmerung des nächsten Tages einsetzte, gab es eine Lageänderung: Es kam zu Kampfhandlungen einer unser anderen Einheiten vor Ort mit bewaffneten gegnerischen Kräften - die Kämpfe weiteten sich schließlich bis zu dem von uns observierten Außenposten aus. Es gab Kollateralschäden. Im Abschlussbericht wurde das Gebiet als gesichert eingestuft - von den Zivilisten sprach man als: "nicht hinreichend verifizierte Bewegungen von Personen". Der Einsatz galt als erfolgreich. Formal hatte alles funkioniert - wir haben beobachtet und gemeldet. Haben nicht eingegriffen. Verantwortung wurde von uns korrekt an unsere Operationsleitung abgegeben, welche ihrerseits das Oberkommando infomierte..Entscheidungen werden dort getroffen, wo Konsequenzen nicht mehr spürbar sind...Dieser Einsatz war nicht der Grund, warum ich die Army verließ - aber er machte mir klar, dass ich es irgendwann tun werde.
...und so wechselte ich den Söldnerbereich. Hier kann ich alles anwenden, was ich als Fernspäher bei der Army gelernt habe - aber ich alleine entscheide, für wen ich es einsetze. Ich arbeite nicht mehr für ein Banner, eine Institution, eine Ideologie - ich arbeite für einen Auftrag und für die Menschen, die ihn überleben sollen. Wenn ich einen Auftrag annehme, dann gibt es nur Vorbereitung, Durchführung und Konsequenzen. Meine Verantwortung. Ich bin immer noch Fernspäher - nur ohne Uniform.