Während der autoritären Herrschaft der Messer-Dynastie wurde Expansion häufig über ethische Bedenken gestellt. Terraforming, Rohstoffabbau und militärische Sicherung galten als legitime Mittel zur Ausbreitung des Imperiums auch auf Kosten einheimischer Lebensformen.
Der Auslöser für einen grundlegenden Kurswechsel war das Massaker von Garron II im Jahr 2792. Trotz bekannter prä-sentienter Spezies genehmigte Imperator Linton Messer XI. die Terraforming-Maßnahmen eines Konzerns, wodurch sämtliches Leben auf dem Planeten ausgelöscht wurde. Die Enthüllung dieses Vorgangs führte zu systemweiten Protesten und schließlich zum Sturz des Messer-Regimes.
Nach der Machtübernahme leitete Imperatorin Erin Toi umfassende Reformen ein. Der Fair Chance Act wurde zum zentralen Symbol dieser Neuorientierung.
Ziel und Grundgedanke
Der Fair Chance Act verfolgt ein klares Prinzip:
Technologische Überlegenheit rechtfertigt keine Ausbeutung.
Das Gesetz soll sicherstellen, dass sich Lebensformen mit Entwicklungspotenzial unbeeinflusst entfalten können ohne Eingriffe durch Kolonisierung, Terraforming oder wirtschaftliche Nutzung.
Der Begriff „Fair Chance“ beschreibt dabei das Recht einer Spezies, ihre eigene Zukunft zu bestimmen, ohne durch externe Mächte vorzeitig beeinflusst oder ausgelöscht zu werden.
Definition „entwickelnde Welten“
Als entwickelnde Welt gilt ein Planet, auf dem:
- präbiotisches, primitives oder prä-sapientes Leben existiert,
- keine Raumfahrt- oder Hochtechnologie vorliegt,
- langfristig jedoch die Entstehung intelligenter Zivilisationen möglich ist.
Die Einstufung erfolgt durch interdisziplinäre Analysegruppen aus Exobiologen, Ingenieuren und UEE-Vertretern. Die finale Entscheidung trifft ein Senatsgremium.
Schutzmaßnahmen
Welten unter dem Fair Chance Act unterliegen strengen Auflagen:
- Verbot von Terraforming
- Verbot von Rohstoffabbau
- Verbot von Kolonisierung
- Militärischer Schutz bei Bedarf
Diese Planeten werden häufig als Sanctuary Worlds bezeichnet. Verstöße gegen den FCA gelten als schwere Straftaten und können auf imperialer Ebene verfolgt werden.
Bekannte Anwendungsfälle
Garron II
Der Planet wurde nach dem Massaker vollständig unter Schutz gestellt. Garron II dient heute als Mahnmal und Forschungsobjekt für ethische Grenzfragen der Expansion.
Osiris I (Etos)
Die Entdeckung intelligenter Primaten führte zu einer der ersten offiziellen FCA-Anwendungen und löste umfangreiche Debatten über Definitionen von „Intelligenz“ aus.
Oso-System
Der Schutz der Osoians offenbarte Schwächen in der militärischen Durchsetzung des FCA und führte zu strukturellen Reformen innerhalb der UEE-Sicherheitsdoktrin.
Politische und gesellschaftliche Bedeutung
Der Fair Chance Act ist bis heute politisch umstritten. Befürworter sehen ihn als moralisches Fundament eines verantwortungsvollen Imperiums. Kritiker argumentieren, dass der Schutz potenzieller Spezies wirtschaftliche Entwicklung hemmt oder indirekt Leid verursacht.
Unabhängig davon prägt der FCA maßgeblich:
- die Expansionspolitik des UEE
- Forschungs- und Terraforming-Projekte
- den interstellaren Umgang mit fremdem Leben
Vermächtnis
Der Fair Chance Act steht symbolisch für den Bruch mit der Messer-Ära und den Versuch, aus früheren Fehlern zu lernen. Er beeinflusste spätere Großprojekte wie die Ark im Tayac-System und das Synthworld-Projekt, bei dem bewusst auf die Erschaffung künstlicher Welten gesetzt wird, um natürliche Biosphären nicht zu gefährden.
Bis heute gilt der FCA als moralischer Prüfstein für das Handeln des UEE und als stiller Maßstab dafür, wie viel Fortschritt eine Zivilisation sich leisten darf.